Nie wieder Auschwitz? Nie wieder Israel!

Nur ein toter Jude ist ein guter Jude.
Das ist die bittere Wahrheit, die sich dieser Tag einmal mehr bestätigt. Israel kann in diesem Krieg der Bilder nur verlieren – weil es den Fehler begeht und seine Bürger nicht ungeschützt dem Hamas-Terror aussetzt. Seit dem 8. Juli wurden über 2300 Raketen auf Israel abgefeuert.
2300 Raketen. 2300 Versuche israelische Zivilisten zu ermorden. 2300 fehlgeschlagene Versuche. Iron Dome sei Dank. Und doch verliert Israel diesen Krieg. Die ebenso simple wie zynische Wahrheit:
Israel verliert, weil kaum Israelis sterben. Wir leben in einer Zeit, in der es en vogue ist, die Welt in simple Muster einzuteilen – und in diesem Krieg bedeutet das, dass derjenige im Recht ist, der mehr Opfer zu beklagen hat. Es gibt einfach zu wenig tote Juden, als dass Israel davon in irgendeiner Weise profitieren könnte. Würde man diese Logik konsequent weiterführen, müsste man retrospektiv das Nazi-Regime heilig sprechen, da Deutschland im zweiten Weltkrieg fast 6,9 Millionen Opfer zu verzeichnen hatte, während die USA wiederum nur 300.000 Mann verlor. Doch käme irgendjemand bei klarem Verstand auf die Idee, Nazideutschland deshalb zu rehabilitieren? Gar von einem Massenmord, einem Genozid am deutschen Volk durch die Alliierten zu sprechen?
In Gaza findet aktuell der einzige Genozid weltweit statt, der sich durch ein kontinuierliches Bevölkerungswachstum und eine vergleichsweise hohe Lebenserwartung auszeichnet.
Wie zynisch, wie ethisch degeneriert muss man sein, diesen Krieg als Genozid zu bezeichnen?
Schon mal was von Ruanda oder Srebrenica gehört?
Kann man den Opfern solcher Verbrechen noch mehr ins Gesicht spucken? Gibt es eine krassere Tatsachenverdrehung als diese? Nicht Israel führt einen Genozid aus – nein! Es ist die Hamas, die genau dieses Ziel erreichen will und nicht eher ruhen wird, bis auch der letzte Israeli im eigenen Blut elendig verreckt ist. Das ist kein legitimer Befreiungskampf, das ist nichts weiter als von Vernichtungsfantasien untermauerter Terror. Wer das nicht verstehen kann oder will, hat die brutale Logik hinter diesem Krieg nicht begriffen.
Die Nazis wollten die Endlösung der Judenfrage – die Hamas will die Endlösung der Israelfrage.
Doch in perverser Verkennung dieses Umstandes, werden weltweit Solidaritätsbekundungen mit einer Terrororganisation laut. Werden aus Tätern Opfer gemacht, müssen Juden in Europa um Leib und Leben bangen. Es herrscht Pogromstimmung, doch Israel muss lernen, sich zu beschränken.
Der Jude trägt die Schuld am Antisemitismus. Jedes jüdische Opfer ist ein Opfer israelischer Politik. Denn auch tätliche Angriffe fallen mittlerweile unter legitime Israelkritik oder gelten als „pro-palästinensische Demonstration“, wie die Deutsche Presseagentur zum Beispiel schreibt.
Früher nannte man so etwas Körperverletzung mit antisemitischem Hintergrund oder auch „hate crime“. Aber es sind ja nur Juden. Wäre er halt mal da geblieben, wo er hingehört – unter die Erde.
Israel hat nur eine Chance, die Weltöffentlichkeit hinter sich zu versammeln:
Abschaltung des Iron Domes, Einstellung der Kampfhandlung gegen die Hamas und sich dem eigenen Schicksal stumm ergeben. Dann kann die Hamas ihres Amtes walten und am Ende können wir endlich wieder Kränze niederlegen, uns an den Händen halten und gemeinsam den Chor des „Nie wieder!“ anstimmen. Wir können neue Denkmäler bauen, eine Erinnerungs-und Mahnkultur erneuern und Doktorarbeiten darüber schreiben, wie es dazu nur kommen konnte und ob das denn niemand hat kommen sehen.

Wer sich schon immer fragte, ob die Menschen während der Naziherrschaft denn nichts gewusst haben und wie so etwas passieren konnte, der wird es nun endlich verstehen können.
2014 holt uns der Schatten von 33 ein.

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Eine kleine Geschichte des Nationalsozialismus

Er hat es wieder getan. Augstein ist zurück (positiver Nebeneffekt: ich dadurch ebenfalls). Nachdem er mit seinen bisherigen Kolumnen immer wieder ausgetestet hat, wie weit er mit den SPON-Lesern gehen kann, macht er nun klar Schiff.
Keine blumige Rhetorik mehr, keine Samthandschuhe, nein, Augstein legt endlich die Karten auf den Tisch. Endlich hat er seine Leserschaft soweit, dass sie bereitwillig aus dem Napf fressen, den er für sie bereitstellt – denn mehr als Hunde sind sie in seinen Augen ohnehin nicht. Woran das liegt? Für Augstein ist das völlig klar:

„Denn Stolz und Ehre sind in der deutschen Politik keine Kategorien mehr.“

Stolz und Ehre. Nicht Kompetenz und Verhandlungsgeschick. Nein. Stolz und Ehre – das sind die für ihn entscheidenden Kategorien. Wobei. Nein. Dann doch nicht so ganz. Denn „einerseits ist das gut so. […] Gesellschaften, die dem Prinzip der Vergeltung folgen statt dem der Versöhnung, sind keine sehr friedlichen Gesellschaften – siehe USA oder Israel.“

Welch perfider rhetorischer Kniff! Welchem Leser fällt schon auf, dass Augstein das „Andererseits“ gezielt unerwähnt lässt? Will er doch nicht zu konkret werden? Nicht zu direkt? Noch ein Austesten der Grenzen? Doch gibt es diese für ihn überhaupt noch? Suhlt er sich doch bereits jetzt voller Wonne in tiefsten Schlamm antiwestlicher, und vor allem antisemitischer Ideologien.
Den Beweis tritt er nicht nur durch seine gezielte Erwähnung von Israel und den USA als Beispiele für unfriedliche Gesellschaften par excellence an. Wen interessiert da schon der Kongo? Oder Syrien? Pah! Alles Peanuts! Für Augstein gibt es nur USA-Israel – die neue Achse des Bösen.
Doch ich sprach von einem Beweis. Der Geschichtskundige wird ihn sofort erblicken – was wohl ca. 95% der SPIEGEL-Leser ausschließen dürfte. Augstein befindet sich ganz auf Linie mit seinem Idol, dem „weitsichtigen Carl Schmitt“, den er auch nur zu gern zitiert. Moment. Wer war eigentlich dieser Carl Schmitt?
Ach, nichts weiter. Seines Zeichens lediglich der „Kronjurist des Nationalsozialismus“. Hoppala. Da zitiert der gute Augstein doch wohlwollend einen handfesten Nazi. Na ja, kann schon mal passieren. Es würde jedoch nicht verwundern, wenn Augstein auch hierzu positiv Bezug nimmt:

„Was der Führer über die jüdische Dialektik gesagt hat, müssen wir uns selbst und unseren Studenten immer wieder einprägen, um der großen Gefahr immer neuer Tarnungen und Zerredungen zu entgehen. Mit einem nur gefühlsmäßigen Antisemitismus ist es nicht getan; es bedarf einer erkenntnismäßig begründeten Sicherheit. […] Wir müssen den deutschen Geist von allen Fälschungen befreien, Fälschungen des Begriffes Geist, die es ermöglicht haben, dass jüdische Emigranten den großartigen Kampf des Gauleiters Julius Streicher als etwas ‚Ungeistiges’ bezeichnen konnten.“

Wobei, nein, pardon, mein Fehler. Natürlich muss es dieser Tage ein wenig anders klingen:

„Was Ahmadinedschad über die israelische Dialektik gesagt hat, müssen wir uns selbst und unseren Studenten immer wieder einprägen, um der großen Gefahr immer neuer Tarnungen und Zerredungen zu entgehen. Mit einer nur gefühlsmäßigen Israelkritik ist es nicht getan; es bedarf einer erkenntnismäßig begründeten Sicherheit. […] Wir müssen den deutschen Geist von allen Fälschungen befreien, Fälschungen des Begriffes Geist, die es ermöglicht haben, dass jüdische Emigranten den großartigen Kampf des Journalisten Jakob Augstein als etwas ‚Ungeistiges’, gar als Antisemitismus, bezeichnen konnten.“

Doch Augstein hat ja auch gerade erst angefangen. Mit dem Schmitt-Zitat:

„Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet“

sowie der folgenden „Argumentation“:

„Die Drohnen-Morde, die CIA-Foltergefängnisse, das Lager in Guantanamo, die Bespitzelung von Parlamenten, Politikern und Bürgern belegen seit Langem, dass die USA den weltweiten, andauernden Ausnahmezustand ausgerufen haben.“

macht er klar, dass er ganz auf Parteilinie ist. Auf wessen? Auf Schmitts natürlich! Denn Augstein vergleicht mal ganz eben nebenbei die USA mit dem Hitlerregime, über das Schmitt in Bezug auf den Ausnahmezustand schrieb:

„Der Führer schützt das Recht vor dem schlimmsten Missbrauch, wenn er im Augenblick der Gefahr kraft seines Führertums als oberster Gerichtsherr unmittelbar Recht schafft.“

Doch Moment. Wie kann er auf Linie sein, wenn er das nicht auch wohlwollend zitiert?
Weil es nicht Deutschland ist, das hier als Souverän handelt, sondern das ewige Feindbild USA inklusive Israel. Denn so schließt sich der Kreis zum Beginn seiner Kolumne.
Fabulierte er da von verlorenem Stolz und Ehre, ist er nun erpicht darauf, dass der „Dackel irgendwann seinen Stolz entdeckt“.

Stolz und Ehre. Klingt doch mindestens so vertraut wie „Blut und Boden“. Auch ich kann simple Bezüge herstellen. Mit dem feinen Unterschied, dass sie nicht völlig abwegig sind.
Augstein hat das mediale Spiel perfekt verstanden. Er tanzt wie ein Artist auf den Seilen linker Pazifismusrhetorik und springt leichtfüßig aufs Trapez nationalsozialistischer Propaganda – ohne dass es dem geneigten Leser wirklich auffällt. Aber damit hat er auch jemanden, in dessen Geiste er damit steht:

„Wer z. B. den Sieg des pazifistischen Gedankens in dieser Welt wirklich von Herzen wünschen wollte, müßte sich mit allen Mitteln für die Eroberung der Welt durch die Deutschen einsetzen; denn wenn es umgekehrt kommen sollte, würde sehr leicht mit dem
letzten Deutschen auch der letzte Pazifist aussterben, da die andere Welt auf diesen natur- und
vernunftwidrigen Unsinn kaum je so tief hereingefallen ist als leider unser eigenes Volk. Man müßte sich also wohl oder übel bei ernstem Willen entschließen, Kriege zu führen, um zum Pazifismus zu kommen.“

Von wem das stammt, darf jeder selbst herausfinden. Da bin ich ganz der Augstein.