Du hast Krebs? Selbst schuld, Arschloch.

Ok. Damit ist es amtlich. Irgendjemand scheint großes Interesse daran zu hegen, dass meine Abneigung gegenüber alternativ“wissenschaftlichen“, esoterischen, übernatürlichen oder vergleichbaren Konzepten ins Unermessliche ansteigt.
Ich weiß nicht, wie oft ich in Diskussionen über Religionen, dieses wunderbare „Argument“ gehört habe, dass das ja alles nicht so schlimm und eigentlich total ok wäre, wenn die Gläubigen niemandem schaden und es ihnen hilft. Ich habe das nie wirklich nachvollziehen können.
Genauso wenig, wie ich Krebs einfach mal eben wegbeten kann, löst sich dieser quasi in Luft auf, wenn ich meine wie auch immer gearteten Selbstheilungskräfte aktiviere.
Anders sieht das selbstverständlich Volker Schmidt, der auf seiner Homepage nicht nur Seminare zur Selbstheilung anbietet, sondern auch vollends überzeugt schreibt:
„Die Ursachen von Krebs kann der Betroffene immer auflösen. Liegt kein Gen-Defekt vor.
Voraussetzung: Er/ sie übernimmt Eigenverantwortung und verändert die dem Problem Krebs zugehörigen Konflikte im Innen und Außen.“
Heißt also im Klartext:
„Wenn du an Krebs stirbst, bist du einfach nur zu doof, dich selbst zu heilen.
PS: Du bist natürlich auch Schuld, dass du krank bist – hättest ja positiver denken können!“

In diesen Momenten zuckt es vernunftbegabte Menschen in den Fingern, die nächste akkubetriebene Schlagbohrmaschine zu greifen und…ach, lassen wir das.
Offenbarend schreibt Herr Schmidt auch Folgendes über sich selbst:
„Ich habe keine Ahnung von Schulmedizin, von linearer Symptombehandlung.“
Das ist zwar nicht unbedingt eine Überraschung, lässt aber tief blicken, wenn jemand, der von Medizin nicht die Bohne versteht, sich mal eben auf die Fahnen schreibt, Krebs heilen zu können.
Ich glaube, ich werde demnächst einfach mal Einführungsseminare in höherer Mathematik geben – ich habe zwar keine Ahnung, was es damit auf sich hat, aber augenscheinlich braucht man keine großartige Expertise, um bahnbrechende Ideen aufzustellen. Der gute Herr Schmidt hat es sogar geschafft, Krebs und Quantenmechanik miteinander zu verbinden – da wäre es doch gelacht, wenn ich die Künste der höheren Mathematik nicht irgendwie mit AIDS kombinieren könnte. Ich glaube sogar, gerade weil ich weder Medizin noch Mathematik studiert habe, besitze nur ich die Fähigkeit, diese großen Probleme zu lösen – denn mein Blick ist noch nicht getrübt von akademischer Kurzsichtigkeit, sondern ich habe mir ein Auge für das große Ganze bewahren können.
Klingt wahnsinnig überzeugend – oder?

Wie moralisch degeneriert muss man eigentlich sein, potentiell tödlich erkrankten Menschen zu sagen, dass nur sie allein die Schuld an ihrem Zustand tragen und diesen natürlich jederzeit wieder ändern können, wenn sie nur durch die Kräfte der Selbstheilung Harmonie in ihrem Seelenleben herstellen würden?
Das Faszinierendste an dieser ganzen Geschichte ist aber ein ganz anderer Aspekt:
Dieser Spinner verdient damit völlig legal sein Geld.
Er wird nicht etwa nach Strich und Faden wegen Betrugs verklagt, sondern darf ungestraft mit seinen Wahnvorstellungen hausieren gehen. Klar, im Grunde macht er damit nur auf privater Ebene, was die großen Religionen seit jeher institutionalisiert betreiben – Kasse mit den Ängsten verzweifelter und/oder ungebildeter Menschen, aber nur weil es diese verachtenswerte Praxis im Großen gibt, macht es sie im Kleinen keinen Deut besser.
Esoterische Spinnereien gehören genauso wie religiöse Wahnvorstellungen auf den Müllhaufen der Geschichte.

Wer nicht impft, der stirbt.

Da es scheinbar irgendjemand darauf anlegt, dass kein Tag vergeht, an dem ich mich nicht am nächsten Baum aufhängen will, weil auf dieser Welt einfach zu viele Idioten rumlaufen, beschenkte mich mein Newsfeed heute mit diesem Artikel auf Spiegel Online. Darin heißt es unter anderem:
„Wenn der Junge geimpft gewesen wäre, würden Natalie und Michael heute noch leben“

…oder tickende Zeitbomben.

Ok. Könnte jetzt bitte irgendjemand, der dafür zuständig ist, die Eier in der Hose haben und die Eltern wegen fahrlässiger Tötung anzeigen?
Diese ganzen Spinner namens „Impfkritiker“ brauchen endlich mal einen Dämpfer verpasst, damit ihnen klar wird, dass ihr völlig idiotisches Handeln im schlimmsten Fall Menschenleben kostet.
Nochmal zum Mitschreiben:
Jede, wirklich ausnahmslos jede Studie, die eine direkte Korrelation zwischen Impfungen und
a) Autismus,
b) Erhöhung der Kindersterblichkeit oder
c) sonstigen herbeifantasierten Horrorszenarien
herstellt, hält keiner wissenschaftlichen Überprüfung stand.
Methodische Fehler, sachliche Unzulänglichkeiten, keine Randomisierung, etc. – im Gegenzug gibt es aber genug Untersuchungen, die zeigen, wie die Gefahr von Infektionskrankheiten durch Nichtimpfung rapide zunimmt – gerade Drittweltländer sind hier verstärkt betroffen.
Nun ist Deutschland sicher kein Drittweltland, aber trotz besserer Bildung, trotz Aufklärung, gibt es hier offensichtlich einige, die sich ihre Vernunft mit einer gehörigen Portion Eso-Bullshit und ach so kritischem Denken aus dem Schädel geballert haben.
Früher sollte der Skeptizismus einmal dazu dienen, antiquierte, unwissenschaftliche (religiöse) Dogmen und Erklärungsmuster zu überwinden – heutzutage scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Die Wissenschaft ist böse, „die“ Mächtigen dieser Welt (wer auch immer das sein soll) unterdrücken das „wahre Wissen“ und wollen nur „medienverblendete Schafe“. Während man selbst natürlich völlig immun dagegen ist, jedem Spinner auf youtube Glauben schenkt, der etwas von den fürchterlichen Gefahren des Impfens erzählt und natürlich nur Aufklärung betreibt, weil die Systempresse das alles unterdrückt. Wusstet ihr eigentlich schon, dass mit Chemtrails unsere Gedanken kontrolliert werden? Tja, ich auch nicht.

Ich frage mich wirklich immer wieder, wie selten dämlich Menschen eigentlich sein können. Das wär ja alles nicht weiter so tragisch, wenn diese Leute in einem separaten, kleinen Biotop vor sich hin vegetieren würden und damit höchstens sich selbst schaden – irgendwann würde die Evolution schon dafür sorgen, dass sich das Problem von selbst löst. Nur leider wirken die Aktionen dieser Menschen sich auch direkt auf ihr unbedarftes Umfeld aus, wo es dann am Ende sogar Tote geben kann.
Warum solche Spinner noch frei rumlaufen dürfen und nicht mit Straf- und Zivilprozessen überrollt werden, bis sie nicht mehr geradeaus schauen können, ist mir schleierhaft.
Wobei – eigentlich ist es nur konsequent, dass hier nichts passiert. In einem Land, in dem die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin (!) Barbara Steffens als besonders eifrige Förderin esoterischer und alternativmedizinischer Konzepte wirkt, spielen ein paar Tote mehr oder weniger doch keine Rolle – für jeden Befreiungskampf müssen schließlich Opfer gebracht werden.
Ich bin dann mal kotzen.

Faschismus-Relativierung à la taz

Die mittlerweile gelöschte Facebookseite der ägyptischen Muslimbruderschaft veröffentliche vor einigen Tagen ein Bild des bekannten, islamkritischen Publizisten Hamed Abdel-Samad mit dem Aufruf, diesen wegen der Beleidigung des Propheten Mohammed zu ermorden. Einzig die Giordano-Bruno-Stiftung sowie Spiegel Online reagierten darauf vergleichsweise schnell, während Blogger wie Kacem Eel Ghazzali und v.a. atheistische Facebookseiten, nahezu unmittelbar nach Bekanntwerden, diesen Aufruf verbreiteten.

Hamed Abdel-Samad

Es mutet also schon ein wenig traurig an, dass es tatsächlich so lange gedauert hat, bis die mediale Resonanz für den Mordaufruf an Hamed Abdel-Samad ins Rollen kam – geradezu ekelhaft relativierend gelingt es aber der taz, diese durchaus sehr reale Bedrohung für einen islamkritischen Publizisten in Gestalt eines Daniel Bax zu verspotten. Uwe Lehnert, seines Zeichens Mitglied im Humanistischen Verband Deutschlands sowie Förderer der Giordano-Bruno-Stiftung, schrieb daher bereits sehr passend als Replik:
„Die taz war mal eine kritisch-aufmerksame Zeitung, die stets für die Grund- und Menschenrechte ein­trat und deren Gefährdung stets mit wachem Blick regis­trierte. Sie ver­tei­digte Menschen, die wegen ihres Eintretens für eben jene Rechte in Gefahr gera­ten waren – sei es durch Fanatiker oder staat­li­che Institutionen. Einige der Schreiber der taz haben aber offen­bar diese jour­na­lis­ti­sche Pflicht ver­ges­sen und die Maßstäbe für ihre Arbeit ver­lo­ren, sie bewe­gen sich auf dem Niveau jener Blätter von ganz links und ganz rechts, die – wenn schon nicht zu ver­hin­dern – ein­fach igno­riert wer­den soll­ten. Strebt die taz die­sen Zustand an? Zurechtrückend und inso­fern beru­hi­gend sind die Kommentare. Deren Schreiber haben sich ihren kri­ti­schen Blick für poli­ti­sche und reli­giöse Wahnsysteme und deren Apologeten bewahrt.“

Man kennt es ja von welt.de-Kommentatoren, die in der Regel selten das zur Schau stellen, was man einen humanistisch-vernünftigen Verstand nennen kann – glücklicherweise scheinen die taz-Kommentare also mehr Weitsicht und Empathie an den Tag zu legen, als es dem Artikelschreiber selbst an seinen besten Tagen möglich wäre – denn diesem scheint als Reaktion auf einen öffentlichen Mordaufruf nichts Besseres einzufallen, als dem Betroffenen mit Häme und Spott zu begegnen, statt sich, eines aufgeklärten, liberalen Journalisten würdig, klar dagegen zu positionieren und den medialen Druck auf die entsprechenden diplomatischen Dienste noch zu verstärken. Wenn sowas heutzutage noch als „links“ gilt, dann bin ich heilfroh, dieser Geisteshaltung schon lange den Rücken gekehrt zu haben.
Herr Bax, mit Verlaub, Sie sind ein Arschloch.

Zeit für eine Revolution!

SPON brachte mich auf die beste Idee der jüngeren Vergangenheit. Und nachdem ich intensiv darüber reflektiert und über deren Wirksamkeit nachgedacht hatte, fiel es mir wie wie Schuppen von den Augen:
Die Uni Leipzig geht einfach nicht weit genug!

Das war zwar eine richtige und wichtige Schrittin, aber natürlich auch erst die Anfängin, auf einer weiten und steinigen Wegin.
Denn natürlich muss noch viel mehr getan werden. Es ist entscheidend, dass die strukturelle Diskriminierung von Frauen endlich abgeschafft wird!
Das kann nur durch eine völlig neue Sprache, ja, durch eine Revolution der gesamten Kultur erfolgen. Viel zu lange haben männlich dominierte Substanstive die Frauen in ihren eisigen Klauen gehalten. Das muss ein Ende haben!
Deshalb fordere ich hiermit, konsequent jede Hinweisin auf männliche Dominanz in die Sprachgebräuchin auszulöschen. Wer gender-gerecht und progessiv schreiben möchte, kann sich dieser Revolution nicht entziehen. Wir brauchen ein Umdenken in der Gesellschaft, damit sich hier endlich etwas ändert.
Viel zu lange habe ich geschwiegen.
Viel zu lange habe ich gelacht.
Viel zu lange war ich ignorant.
Doch damit ist jetzt endgültig Schlussin! Was einst das Motto der deutschen Nachkriegsgesellschaft war, will ich hier und heute zur Leitsprüchin dieser Revolution machen:

Nie wieder!

Wer braucht schon Verantwortung?

„Wir werden bis zum Ende gehen, wir werden diese Verantwortung tragen und alle Opfer und die zu erwartenden Konsequenzen akzeptieren“ – so spricht der Generalsekretär der Hisbollah Hassan Nasrallah.

Was muss eigentlich noch alles passieren, bis sich die westlichen Staaten endlich einmal dazu entschließen, die Rebellen wirklich nachhaltig zu unterstützen?
Reicht es noch nicht, dass sich eine der am besten ausgerüsteten Terror-Organisationen der Welt dem Assad-Regime anschließt?
Oh, ich vergaß:
Für die EU ist die Hisbollah ja nach wie vor nur eine extremistische Partei, aber keine Terrororganisation. Das gezielte Töten von Zivilisten durch Anschläge stellt also keinen Terror dar, sondern lediglich fragwürdige Parteiarbeit.
Na dann ist ja alles in Butter.

Gefährlicher Aberglaube

„Nach wissenschaftlichen Maßstäben ist Deutschland nicht mehr ganz dicht.“

So lässt es sich in diesem Artikel der ZEIT lesen.
Da stellt sich doch unwillkürlich die Frage, weshalb es so viele Menschen zu solchen alternativen Realitätserklärungskonzepten hintreibt. Ist es die Angst, sich mit unangenehmen Ereignissen auseinanderzusetzen? Der naive Optimismus, dass am Ende doch alles gut wird? Der Wunsch, den Menschen in seiner Umgebung durch ein angeblich „geheimes Wissen“ überlegen zu sein?
Vielleicht ein wenig von allem.

Auffällig ist aber vor allem eines und das haben die Autoren des Artikels leider versäumt:
Es gibt eine sehr starke Korrelation zwischen der Sympathie für esoterische Konzepte und gleichzeitig der Hinwendung zu Verschwörungstheorien bezüglich politischer Vorgänge, die man nicht versteht. Nicht nur im kleinen, auf sich selbst bezogenen Kreis wird eine Alternativrealität mit simplen Erklärungsmustern geschaffen, sondern diese Muster werden auch auf die Welt als Ganzes ausgedehnt.
Die Affinität von Esoterikern zu sogenannten „Truther-Bewegungen“, „Infokriegern“ und ähnlichen Gruppierungen ist enorm. Bezeichnend sind dabei v.a. auch eine starke anti-westliche, v.a. eine dezidiert anti-amerikanische Haltung, die nahezu alles ablehnt, was empirische Forschung ausmacht und stattdessen eine ominöse Unterdrückung des „wahren Wissens“ postuliert.
Da hilft es auch kaum darauf hinzuweisen, dass Bücher über eine angeblich geheime Weltregierung, die NWO, Illuminaten oder sonstige Hirngespinste regelmäßig Bestsellerlisten füllen bzw. das in der Vergangenheit getan haben – auch wenn die Unterdrückung tatsächlich nicht stattfindet, nimmt der Esoteriker/Verschwörungstheoretiker diese subjektiv doch als existent wahr – was bezeichnend für das in sich abgeschlossene Weltbild dieser Menschen ist.
Der Hang zur Irrationalität kann beeindruckende, oder viel eher beunruhigende Dimensionen annehmen:
Wenn Menschen es für völlig plausibel erachten, dass man durch Handauflegen Krebs heilen kann, dann ist es für sie auch kein intellektuelles Kunststück, davon überzeugt zu sein, dass Echsenmenschen oder wahlweise auch Außerirdische unseren Planeten regieren bzw. in Wahrheit die Gestalt der führenden Politiker angenommen haben.
Wer glaubt, dass niemand auf derart absurde Ideen kommen kann, war (zu seinem Glück) noch nie bei einem der konspirativen Treffen dieser Menschen dabei.
Mit welcher Selbstverständlichkeit derartige Konzepte angenommen werden, ist erschreckend – und als jemand, der in so einem Umfeld aufgewachsen ist und jahrelang Zeuge davon war, weiß ich nur zu gut, dass der verlinkte Artikel nicht etwa übertreibt, sondern noch relativ harmlos daherkommt.
Keine Dummheit scheint zu groß, kein Abgrund zu tief, als dass es nicht doch immer wieder ein paar Menschen gibt, die jubelnd darauf zulaufen – felsenfest davon überzeugt, das Richtige zu tun.

Da das augenscheinlich mein erster Blog-Eintrag überhaupt war und ich mir noch nicht so sicher bin, ob ich das in dieser Form beibehalten werde, habe ich jetzt hoffentlich erst einmal all jene abgeschreckt, die mir ihre alternativen Sichtweisen und Welterklärungsmodelle nahebringen wollen. Aber für die Menschen, die es noch nicht verstanden haben, möchte ich an dieser Stelle den großartigen Christopher Hitchens zitieren:
„That which can be asserted without evidence, can be dismissed without evidence.“