Eine Krise – eine Regel

Momentan scheint es ja nur zwei Extreme zu geben:
1. Flüchtlinge sind eine Gefahr für Europa, die Menschen hier und deren Werte.
2. Flüchtlinge sind eine Chance und wir tun gut daran, alles zu tun, um jeden aufzunehmen.

Ich für meinen Teil finde ja beide Positionen bescheuert. Warum? Weil mir niemand erzählen kann, dass unter 800.000 Flüchtlingen keine Arschlöcher dabei sind. Ebenso wage ich zu bezweifeln, dass das alles (potentielle) Terroristen sind. Daher wäre eine standardisierte Überprüfung aller durchaus sinnvoll, um die Arschlöcher auszusieben. Wie die aussehen soll? Keine Ahnung, ist auch nicht meine Aufgabe, das herauszufinden. Ich lehne mich nur zurück und sage, was meiner Meinung nach beschissen läuft – was eine überaus bequeme Position ist.
Der Westen hätte jetzt die Chance, das wieder einigermaßen gerade zu biegen, was er vor Jahren verbockt hat, als er sich weigerte, in Syrien zu intervenieren und das Land dem Bürgerkrieg überließ. Stattdessen verlieren aber allesamt den Kopf und hyperventilieren entweder halb besoffen #refugeeswelcome oder schwafeln vom Untergang des Abendlandes.
Ich persönlich sehe es nicht so, dass es eine Pflicht zum Helfen gibt – das ist mir einfach zu viel Moralgesülze. Ebenso kotze ich aber in gleichem Maße auf irgendwelche abstrakten Werte, die letztlich nur die Borniertheit der hier lebenden Menschen widerspiegeln. Es gibt nur eine einzige, grundlegende Regel, nach der jede Gesellschaft friedlich funktionieren kann und die für jeden Menschen gelten sollte:

„Geh mir nicht auf die Eier.“

Ich muss dem Penner am Bahnhof ebenso wenig Geld oder Essen geben, wie ich das gegenüber einem Flüchtling muss. Es ist mein WILLE, wenn ich es tun sollte – aber eine Pflicht dazu besteht nicht. Genauso darf aber natürlich gerne auch ein jeder, der sich dazu berufen fühlt, all sein Hab und Gut spenden – mir ist das herzlich egal, solange er nicht dasselbe von mir verlangt.
Ich muss nicht die „Ehe“ oder die „traditionelle Familie“ beschützen – weil mir beides am Arsch vorbeigeht. Wem das wichtig ist, bitte, soll er halt so leben, aber halt die Luft an und laber mich damit nicht voll.
Die Konsequenz, die sich aus der Zuwanderung einer weitestgehend stark religiösen Gruppierung ergibt, sollte daher nicht, wie von Merkel gefordert, mehr Christlichkeit sein, sondern ganz im Gegenteil: mehr Atheismus, mehr Aufklärung, mehr Religionskritik, mehr Satire, mehr Spott. Meine Lieblingsidee zur Flüchtlingsselektion (ich böser, böser Mensch), ist daher folgende:

kurt_westergaard_mohammed_cartoon-8Man nehme allerlei religiöse Karikaturen (z.B. von Charlie Hebdo, Kurt Westergaard, etc.) und zeige diese nacheinander den hier ankommenden Flüchtlingen. All jene, die daraufhin wutentbrannt reagieren, werden postwendend zurück in die Wüste geschickt. Alle, die darüber lachen können, werden aufgenommen, denn die haben wahrscheinlich noch alle Tassen im Schrank.

Ich finde ja, dass das ein äußerst effektiver Weg ist, um mit der ganzen Situation umzugehen. Einerseits holt man sich intelligente Leute ins Land, andererseits gräbt man den ganzen Spinnern von PEGIDA und Co. das Wasser ab, weil die sich schlecht über Leute beschweren können, denen der Islam völlig egal ist, weil sie selbst Atheisten sind. In meinen Augen ist das doch die perfekte Win-Win-Situation.

Wer Flüchtling ist, bestimmen immer noch wir!

Guter Flüchtling – schlechter Flüchtling?
Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, ob ich zur aktuellen Flüchtlingsdebatte überhaupt etwas schreiben sollte. Da dies aber ein Thema ist, bei dem die Emotionen verdammt hochkochen und ich mit Vorliebe in Wespennester steche, dachte ich mir, dass es nicht schaden kann, auch meine geistigen Ergüsse diesbezüglich durch den Äther zu senden.
Als Liberaler steht man ja häufig immer so ein bisschen zwischen den Stühlen – die Rechten und Konservativen mögen einen nicht, weil man auf „Traditionen und Werte“ pfeift und die Linken sind stinkig, weil man „mehr Staat“ irgendwie uncool findet. Als Liberaler in einer Stadt wie Dresden steht man ohnehin auf verlorenem Posten, aber das ist noch eine ganz andere Geschichte.
Das Wunderbare an meiner Position ist aber: Es kann nicht mehr schlimmer werden. Der Liberale ist ohnehin immer der Arsch, also hat er das Privileg, seinen Verstand zu nutzen, während andere lieber Emotionen den Vorzug geben.
Wenn man sich die ganze (Internet)Debatte so anschaut, dann scheint es häufig nur die beiden Extreme von „Alle Grenzen dicht“ bis „Grenzen ganz abschaffen“ zu geben – lustigerweise merkt niemand von den ganzen Leuten, dass sie damit völlig an der Thematik vorbeireden. Häufig wird dann gerne die harsche Asylpolitik Australiens als (positives) Beispiel angeführt, aber auch das hat mit dem Thema nicht wirklich was zu tun.
Im Grunde ist es sehr simpel:
Solange die Lebensumstände in Land A besser sind als in Land B, wird es immer Menschen geben, die sich bemühen, von B nach A zu gelangen. Da spielt es auch erst einmal keine Rolle, ob die Gründe wirtschaftlicher oder menschenrechtlicher Natur sind – die Bewegung ist vorhanden. Man kann womöglich wirtschaftlichen Migranten das Leben schwer machen, indem man sie extrem hohen Widerständen im Ankunftsland aussetzt, sodass sich die Übersiedlung für sie langfristig nicht lohnt (wie man das bewertet, ist eine andere Frage), aber es ist nahezu unmöglich, die Anreize so stark zu senken, dass Menschen, die nichts weiter als Überleben wollen, keine Lust mehr haben, in ein besseres Land zu flüchten. Wer nichts zu verlieren hat, der nimmt jeden Strohhalm, den er greifen kann. Wenn man nun auch diese Menschen konsequent zurückschickt, dann löst man im Grunde gar nicht – man verdrängt nur. Und verdrängte Probleme kommen in vielen Fällen irgendwann wieder zurück. Tja, dumm gelaufen.
Also einfach Grenzen auf und alle reinlassen?
Simpel gesagt: Ja.

Besorgte Bürger single bigABER DAS KOSTET ALLES GELD UND DIE SIND FAUL UND ARBEITEN NICHT UND
SIND KRIMINELL UND ÜBERHAUPT!!!

Hey, chill mal. Ich habe da einen ganz simplen Vorschlag:
Man macht einen (sehr) großen Cut in puncto Wohlfahrtsstaat, erlaubt Asylbewerbern zu arbeiten, streicht den Mindestlohn und erlaubt Unternehmen weitestgehende Vertragsfreiheit. ABER, und das ist ganz wichtig, nicht nur für Flüchtlinge sondern für alle hier lebenden Menschen. Ja, auch Hartz4-Ronny muss dann mal seinen Arsch bewegen und schauen, wo er bleibt. Sowas Dummes aber auch. Auf Facebook hetzen, kannst du nach der Arbeit immer noch.
Wem es nur ums nackte Überleben geht, der wird dankbar sein, wenn er hier aufgenommen wird und die Möglichkeit bekommt, zu arbeiten und sich zu integrieren. Wer darauf keine Lust hat, ist selbst schuld, denn aufgrund der viel geringeren staatlichen Zuwendung, ist das Leben dann auch nicht mehr sooo cool.
Klar wird die Flüchtlingsversorgung immer noch Geld kosten – aber da Steuern hier nicht zweckgebunden sind, wird das Geld, das ohne Flüchtlinge da wäre, nicht automatisch zur Verbesserung der Rentensituation o.Ä. genutzt. Falls das irgendjemand gedacht hat: Wie doof kann man eigentlich sein?

Stichwort: Wirtschaftsflüchtlinge
Ich habe der ganzen Thematik bereits an anderer Stelle schon einen ganzen Artikel gewidmet, daher will ich hier nicht noch einmal so ausführlich eingehen. Letztlich läuft es schlicht darauf hinaus, dass für jeden hier lebenden Menschen – ob Biodeutscher oder nicht – dieselben Spielregeln gelten müssen. Keiner sollte besonders privilegiert werden, nur weil er das Glück hatte, in einem reichen Land geboren zu werden. Es ist völlig irrelevant, wie viele Menschen hierherkommen und aus welchen Gründen – viel entscheidender ist, dass alle Menschen zumindest die Möglichkeit erhalten, ihre Situation zu verbessern (und das geschieht nun einmal v.a. durch einen möglichst freien Wettbewerb der Unternehmen untereinander und um (billige) Arbeitskräfte). Wer das nicht will, soll ruhig versuchen, sich mit minimaler staatlicher Unterstützung durchzuschlagen – aber angenehm sollte es definitiv nicht werden. Weder für den Flüchtling noch den Biodeutschen. Es gibt kein automatisches Recht auf Arbeit und ein gutes Leben, nur weil man hier geboren wurde – das ist grober Unfug, wenn man das glaubt.

Stichwort: Islamismus
Das ist die Stelle, an der mir womöglich irgendjemand wieder Islamophobie oder Ähnliches an den Kopf werfen wird – was mir als Atheisten nur ein müdes Lächeln abringt. Wenn, dann habe ich eine Islamantipathie, aber keine Phobie. Das nur mal zur Klarstellung.
Bei solch riesigen Flüchtlingsströmen aus Konfliktländern ist es natürlich nicht unrealistisch anzunehmen, dass auch einige Flüchtlinge Anhänger radikaler Ideologien (eben meist Islamismus) sind. Das ist uncool, aber nicht zu ändern. Deshalb pauschal alle Flüchtlinge abweisen? Kommt darauf an, wie man seine Gewichtung setzt. Ich habe prinzipiell ein Problem mit allen Menschen, die sich wie Vollidioten verhalten – sei es der Nazi aus Heidenau oder der Islamist aus Syrien – ich mag weder noch. Mein Vorschlag:
Drückt den Nazis und Islamisten Stöcke in die Hand, ab in die Wüste und dann können sie sich gegenseitig an die Gurgel gehen. Ja, ich weiß, unrealistisch, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen…
Im Grunde ist es aber auch hier sehr simpel:
Jeder, der ein Problem mit den westlichen Freiheitswerten hat, darf gerne dahingehen, wo der Pfeffer wächst – und da ist es mir völlig gleich, woher derjenige ursprünglich kommt. Ich will keine Wichser vor meiner Haustür haben, ganz einfach.

Und wenn, wenn die ganzen Vollidioten sich dann gegenseitig die Köpfe einhauen, dann kann ich mit meinen deutschen, türkischen, syrischen, englischen, amerikanischen, israelischen und vielen anderen Freunden wieder in Ruhe Whisky trinken gehen, ohne dass irgendein Vollidiot meint, dämliche Parolen brüllen zu müssen.
Hach. Wo wäre ich nur ohne meine Träume?

Sturmgeschütz gegen Israel

Der Jud‘ ist schuld, der Jud‘ ist schuld!

Lizas Welt

Wenn man dem Spiegel glauben darf – dem selbsternannten »Sturmgeschütz der Demokratie« also –, dann gab es Mitte Mai handfeste diplomatische Verstimmungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel. Verstimmungen, von denen die Öffentlichkeit allerdings nichts mitbekommen hat. Anlass für diese Spannungen sei ein Nahosttrip des deutschen Außenministers Frank-Walter Steinmeier gewesen, der sich vor Ort über die Situation der Flüchtlinge im Libanon und in Jordanien habe informieren wollen. Ein Abstecher in den jüdischen Staat stand seinerzeit nicht auf dem Besuchsplan des Sozialdemokraten. Daher, so behauptet das Blatt, »reagierte Jerusalem verärgert und zwang ihn zu einem Umweg«. Das heißt: Israel »verweigerte dem deutschen Außenminister den Überflug seines Hoheitsgebiets, als er von Beirut aus weiterreisen wollte«, wie auf Spiegel Online zu lesen ist. Statt die 240 Kilometer von der libanesischen Hauptstadt nach Amman direkt anzusteuern, habe die Regierungsmaschine erst in den zyprischen Luftraum einfliegen müssen, um dann »in einer Art U-Turn in Richtung…

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Inzest für alle?

Da zieht jetzt also alle Welt über Kramp-Karrenbauer her, weil sie nicht unbedingt das Cleverste in Bezug auf Homosexuelle gesagt hat. Hm. Kann man machen. Oder man registriert das als eine von vielen anderen schwachsinnigen Positionen und regt sich nicht so künstlich darüber auf.
Ich find es auch nicht cool, wenn sich Homosexuelle öffentlich ablecken.

Claude Truong-Ngoc / Wikimedia Commons - cc-by-sa-3.0
Claude Truong-Ngoc / Wikimedia Commons – cc-by-sa-3.0

Weiterlesen hilft.
Ich finde es ebenso nicht cool, heterosexuellen Pärchen dabei zusehen zu müssen, wie sie sich gegenseitig auffressen. Ich finde auch fette Menschen, die sich in viel zu Enge Kleider pressen uncool. Oder Betrunkene, die lauthals grölen und mir damit auf die Eier gehen. Oder Raucher, die mich aufgrund meines Jobs zum Passivrauchen zwingen und somit mein Lungenkrebsrisiko erhöhen. Oder habe ich schon erwähnt, wie abgrundtief ich dumme Menschen verabscheue? Menschen, bei denen der eigene IQ bereits sinkt, wenn man sie nur ansieht? Oder diese ganzen Möchtegernalternativen. Oder Pseudorevolutionäre. Hobbyphilosophen und Weltverbesserer. Oder diese zynischen Arschlöcher, die vorgeben, dass ihnen alles ach so egal ist und am Ende freuen sie sich trotzdem darüber, wenn ihnen Anerkennung zuteil wird. Oder oder oder.

Ich hab da einen super Vorschlag:
Der Staat hält sich weitestgehend aus privaten Lebensentwürfen raus – weder benachteiligt noch bevorteilt er sie und jeder, der sich davon angepisst fühlt, kommt mal wieder klar und widersteht der Versuchung, bei jeder Banalität die Moralpolizei zu rufen.
Statt ‪#‎ehefüralle‬ bin ich ja eher für ‪#‎machtwasihrwollt‬.
Dann kann ich wenigstens in Ruhe auch weiterhin jedem ans Bein pissen und ihm trotzdem nicht verbieten wollen, das zu tun, warum ich ihn anpisse. Deal?

Deutscher Humor.

Deutschland, ich mag dich. Doch, wirklich, ganz ehrlich. Weil du so simpel gestrickt bist. So vorhersehbar. Da weiß man wenigstens, woran man ist.
Jüngster Aufreger der Nation ist dieses Mal dieses Video von JuliensBlog.

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Jeder, dessen IQ im Normalbereich liegt, sollte langsam verstanden haben, dass Julien bewusst provoziert und Grenzen des guten Geschmacks überschreitet. Ich lese in den Kommentaren diverser Medien, dass das furchtbar wäre und sicherlich kein schwarzer Humor ist, weil auch dieser Grenzen hätte. Sollte ich jetzt eigentlich lachen oder weinen angesichts so viel Blödheit?

Ok, für die ganzen Blitzmerker und Humorbehinderten schaue ich einmal kurz, was Tante Wiki dazu sagt:

„Als schwarzer Humor wird Humor bezeichnet, der Verbrechen, Krankheit, Tod und ähnliche Themen, für die gewöhnlich eine Abhandlung in ernster Form erwartet wird, in satirischer oder bewusst verharmlosender Weise verwendet. Oft bezieht er sich auf Zeitthemen. Schwarzer Humor bedient sich häufig paradoxer Stilfiguren. Nicht selten löst er Kontroversen aus darüber, ob man sich über die genannten Dinge lustig machen dürfe und wo die Grenzen des guten Geschmacks lägen; besonders ist dies der Fall, wenn religiöse und sexuelle Themen und tragische Ereignisse zum Gegenstand genommen werden.“

Nochmal zum Mitschreiben:

„oder bewusst verharmlosender Weise verwendet.“

Oh. Julien verharmlost den Holocaust, indem er sagt, die Lokführer sollten vergast werden? Und das soll plötzlich kein schwarzer Humor sein? Verdammt. Also entweder irrt sich Tante Wiki oder schwarzer Humor ist eben genau das, was Julien seit jeher macht – bewusstes Grenzen überschreiten.
Viel faszinierender wird die ganze Aufregung allerdings noch, wenn man sich einmal gewisser Umstände bewusst wird.
Als vor ein paar Monaten die Charlie-Hebdo-Redaktion von ein paar islamistischen Vollidioten zusammengeballert wurde, waren hinterer (fast) alle „je suis Charlie“ – haben Lobreden auf die Meinungsfreiheit gehalten und wie wichtig eben diese auch bei kontroversen Beiträgen wäre. Aber wie zu erwarten, ist das menschliche Gedächtnis ziemlich gut darin, Ereignisse zu verdrängen und in alte Muster zu verfallen. Da kommt es recht schnell zu Aussagen wie

„Meinungsfreiheit ist wichtig und schützenswert, ABER…“

Fick dich. Wer Meinungsfreiheit mit dem Wort „aber“ in dieser Weise kombiniert, hat absolut gar nichts verstanden. Meinungsfreiheit schützen, durch die Einschränkung eben dieser? Ich finde Logik ja auch völlig überbewertet.
Denken wir einmal knapp drei Jahre zurück. Damals empörte sich alle Welt über den Film „Innocence of Muslims“. Allgemeiner Konsens war, wie ach so schlimm das wäre und diskriminierend und überhaupt blablub. Glücklicherweise gab es aber auch damals bereits ein paar Stimmen der Vernunft. So schrieb Frank A. Meyer in einem Beitrag für blick.ch folgende unglaublich wichtigen Worte:

„Was ist Freiheit wert, wenn sie nicht auch Freiheit zur Provokation bedeutet? Wer zur Zufriedenheit aller filmt und redet und schreibt, bedarf der Freiheit nicht. Freiheit bietet Schutz für das Unangepasste, das Abwegige, das Missglückte, das Bös¬gemeinte, auch für den schlechten Geschmack.“

Wer nur erlaubt, was allgemein akzeptiert und gut ist, der bedarf keiner Freiheit mehr und hat ihren intrinsischen Wert schlicht nicht verstanden. Faszinierend ist daran auch, dass man „Innocence of Muslims“ gemeinhin verurteilt hat, während Charlie Hebdo sehr viel Anteilnahme erfuhr. Ein Zyniker könnte jetzt sagen, dass also erst einmal ein paar Menschen sterben müssen, bevor diese sich dann ihr Recht auf Meinungsfreiheit verdient haben. Bringt ihnen zwar nicht mehr allzu viel, aber hey, wir sind mal alle kurz betroffen und sagen, wie wichtig diese Freiheit ist und dass sie nicht verloren gehen darf. Und ein paar Wochen später fangen wir dann an zu relativieren. Und wieder etwas später ignorieren wir das alles und fordern erneut Einschränkungen. Wisst ihr, wie man so etwas gemeinhin nennt? Richtig. Heuchler.
Und was macht man mit Heuchlern? Richtig. An die Wand stellen und standrechtlich erschießen.
Nachdem das also nun geklärt wäre, zurück zum eigentlichen Thema und den Reaktionen darauf.

Welch Geistes Kind die selbsternannten Moralisten und Sittenwächter sind, kann man anhand solcher Aussagen sehr gut erkennen:

„dass dieses sadistische Gegeifer von diesem Julien weder etwas mit Humor, auch nicht mit schwarzem Humor und schon garnichts mit Satire zu tun hat.
[…]
Ich lache auch wenn Nazis zusammengeschlagen werden. Das hat aber nichts mit Humor zu tun, sondern viel eher etwas mit meinen (berechtigten) Bestrafungswünschen Nazis gegenüber und der Befriedigung selbiger.“

Quelle

Da findet es jemand also einerseits schlimm, wenn Julien Holocaustwitze macht, andererseits ist es völlig legitim, wenn andere Menschen zusammengeschlagen werden, weil einem selbst deren Ansichten nicht gefallen. Hm. Wie bezeichnete man das noch gleich, wenn andere Menschen mittels Gewalt aufgrund ihrer Ansichten unterdrückt werden…was war das noch gleich…hm…
Es ist wirklich immer wieder interessant, wie leicht es den Menschen fällt, so einfach mit doppelten Standards zu leben.
Auch Vice springt auf den allgemeinen Empörungszug (höhö) auf und schreibt:

„Das soll schwarzer Humor sein, ist aber keiner. Das ist auch keine gelungene Satire, sondern einfach nur ein menschenverachtender, auf erbärmliche Art und Weise nach Applaus heischender Kleinbürger-Wutanfall.“

Mir erscheint, ich habe etwas sehr Grundlegendes verpasst. Alle möglichen Leute sagen, dass das, was Julien fabriziert, sei kein schwarzer Humor. Ok, Gegenfrage: Was ist dann schwarzer Humor? Offensichtlich nicht das, wie Wikipedia es definiert, denn dann käme diese Behauptung nicht auf. Doch es interessiert mich wirklich brennend, wie konkret dann die Definition aussehen soll und wo genau die Abgrenzung zu „normalem“ Humor besteht.

Mir erscheint, die meisten Menschen, die sich jetzt so angepisst fühlen, haben tatsächlich etwas Fundamentales nicht verstanden.
Humor kennt keine Grenzen, darf keine Grenzen kennen.
Humor ist etwas grundlegend Positives – wer Humor verbietet, sei es aus Gründen des Anstands, der Ästhetik oder subjektiven Wertvorstellungen erschafft damit eine Verbotskultur, die alles, was ihr unangenehm erscheint, reflexartig wegsperrt.
Humor ist DAS Symbol für Freiheit, für Unabhängigkeit – wer über etwas lacht, hat keine Angst mehr davor, lässt sich nicht von gegenteiligen Ansichten einschüchtern oder beirren. Genau das ist auch der Grund, weshalb jedes autoritäre System zuerst den Humor einschränkt – weil man nur zu gut weiß, wie befreiend dieser wirken kann.
In dieselbe Kerbe schlägt daher auch der großartige Ludwig von Mises, als er schrieb:

“Der Liberalismus fordert Duldung auch offenbar unsinniger Lehren, wahnwitzigen Irrglaubens und kindlich-blöden Aberglaubens. Er fordert Duldung für Lehren und Meinungen, die er als der Gesellschaft schädlich und verderblich erachtet, für Richtungen, die er zu bekämpfen nicht müde wird. Denn das, was ihn veranlasst, Duldung zu fordern und zu gewähren, ist nicht die Rücksicht auf den Inhalt der zu duldenden Lehre, sondern die Erkenntnis, dass nur die Duldung den gesellschaftlichen Friedenszustand schaffen und bewahren kann, ohne den die Menschheit in Unkultur und in die Armut längstverflossener Jahrhunderte zurückfallen müsste. Den Kampf gegen das Dumme, das Unsinnige, das Irrige, das Böse führt der Liberale mit den Waffen des Geistes und nicht mit roher Gewalt und Unterdrückung.”

Statt sich also zu freuen, wenn andere Menschen aufgrund ihrer Meinung zusammengeschlagen werden und im gleichen Atemzug Julien doof finden (siehe oben), sollten eben jene Moralisten sich eingehend selbst reflektieren und den gigantischen Widerspruch in ihrer Attitüde erkennen.

Man kann nicht „Je suis Charlie“ und gleichzeitig „Ich bin für Meinungsfreiheit, aber…“ sagen.

Fett ist hip!

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Eine echte Frau braucht Kurven!

Liegt es eigentlich an mir oder warum ist diese ganze Hysterie a la ‪#‎fatacceptance‬ und ‪#‎beachbody‬ so unsagbar bekloppt? Da wird adipöses Übergewicht derart zelebriert und als Lifestyle gefeiert, dass man sich ernsthaft fragen muss, wie realitätsfern manche Menschen leben. Es ist ja toll, wenn alle möglichen Leute ihre schwabbeligen Fleischberge total normal oder gar sexy finden – das macht es aber weder gesünder noch verleiht es einen Freifahrtsschein zur reflexmäßigen Beleidigung all jener Menschen, die es wagen, an diesem Fettkult Kritik zu üben.
Ihr seid nicht gesund, ihr seid nicht toll, ihr seid nicht attraktiv – ihr seid einfach nur zu bequem, euch vernünftig zu ernähren und Sport zu betreiben.
Wird Zeit, dass ihr euch das endlich unter eure Speckröllchen schreibt.

Der ewige Wirtschaftsflüchtling – oder: der Lieblingsfeind der Salonrassisten

Es ist eine Frage, die mich schon seit längerer Zeit umtreibt und auf die ich bisher leider noch keine zufriedenstellende Antwort gefunden habe.

Was ist eigentlich so schlimm an Wirtschaftsflüchtlingen?
Nicht nur die üblichen Verdächtigen â la PEGIDA, Nazis, AfDler und CSUler sprechen häufig in stark abwertender Form von „Armutszuwanderern“ und dass diese die starke, deutsche Volkswirtschaft missbrauchen und das Volk von innen heraus zersetzen und „überfremden“ wollen. Mir ist die Logik dahinter bis heute nicht so wirklich klar. Es ist doch etwas zutiefst Menschliches, danach zu streben, die eigene (Lebens)situation positiv zu verändern. Folgt man konsequent der Logik der oben genannten Gruppen, müsste doch jeder, der auswandert oder auch innerhalb eines Landes aufgrund besserer Berufsaussichten, Lebenserhaltungskosten, Wohnungsverfügbarkeit oder allgemeiner Lebensqualität den Wohnort wechselt, als sogenannter Wirtschaftsflüchtling gelten. Natürlich sind die Ursachen, weshalb Menschen aus Syrien oder dem Jemen fliehen, ganz andere als hier – aber abstrahiert auf eine prinzipielle Metaebene läuft es auf exakt Dasselbe hinaus.

stop-of-being-stupid

Wie war das von wegen „wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein…“?
Wovor haben die ganzen Einwanderungsgegner solche Angst? Dass es irgendwann mehr „Ausländer“ als Biodeutsche gibt? Nüchtern betrachtet, sind mehr als 7,1 Milliarden Menschen für uns Ausländer. Ich glaube, diesen Kampf haben wir längst verloren. Mal ganz davon abgesehen, dass historisch gesehen so ziemlich jedes Land schon immer eine Vielzahl verschiedenster Gruppen und Stämme beinhaltete, die sich u.a. durch Kriege und Expansion miteinander vermischten. Ein anderes beliebtes Argument ist an dieser Stelle, dass dadurch nach und nach die deutsche Kultur verloren ginge. Nur…was soll das sein, diese deutsche Kultur? Wenn ich mir die Kommentare inklusive der überaus faszinierenden Orthographie vieler selbsternannter Patrioten so anschaue, kann die Sprache ja zumindest schon einmal nicht dazugehören.
Letztlich gibt es nur ein einziges Problem, wenn Menschen aus anderen Kulturen in ein neues Land einwandern – nämlich die Frage, ob die andere Kultur nach liberalen Spielregeln funktioniert oder nicht. Mir persönlich ist es herzlich egal, ob jemand aus Saudi-Arabien, Russland oder Syrien kommt – zumindest genau so lange, wie er nach den hier geltenden Regeln, also inklusive Menschenrechte und den ganzen Kram, spielt. Es ist auch völlig egal, ob diejenigen dann die Landessprache sprechen oder nicht – solange sie sich friedlich verhalten und anderen Menschen nicht ihre Lebensweise aufzwingen wollen, ist das alles super. Das gilt umgekehrt übrigens genauso. Und wehe, es kommt mir jetzt jemand mit dieser kulturrelativistischen Scheiße, dass man jede Kultur respektieren müsse. Wenn es zur Kultur eines Landes gehört, dass man Homosexuelle an Baukränen aufknüpft, muss ich das nicht respektieren, sondern darf das nach bestem Gewissen hart bekloppt finden. Wer liberale Prinzipien, sprich das Zugeständnis an seine Mitmenschen, ihnen ihre persönliche Freiheiten zu gestatten, als unzumutbaren Zwang versteht, hat einfach den Schuss noch nicht gehört.
Aber ich schweife mal wieder latent ab.
Persönlich denke ich viel eher, dass die ganzen Gegner einfach nur nach einer Möglichkeit suchen, ihre Ressentiments auszuleben. Was dem Antisemit seine Israelkritik, ist dem Rassisten seine Kritik der Asyl- und Flüchtlingspolitik. Ist es denn wirklich so schwer, die Herkunft eines Menschen einfach zu ignorieren und nur zu wollen, dass alle nach denselben liberalen Regeln spielen?
Ich warte tatsächlich sehnsüchtig auf jemanden, der mir erklärt, worin das große Problem besteht, wenn Menschen aus anderen Ländern hierherkommen. Wer nicht nach den Regeln spielt, wird eben bestraft, wie jeder andere auch – aber es sollten ebenso für alle dieselben Voraussetzungen gelten. Das trifft vor allem auch auf die völlig unnötigen Arbeitsbeschränkungen für Asylsuchende und Geduldete zu, die in den ersten drei Monaten überhaupt nicht arbeiten dürfen. Diese Regelung hilft absolut Niemandem und erschwert es den Menschen nur unnötig, sich hier zu integrieren.

Nochmal zum Mitschreiben:
Flüchtlinge, bzw. Wirtschaftsflüchtlinge im Speziellen schaden absolut niemandem, solange sie sich an dieselben liberalen Regeln halten können wie jeder andere auch. Wer eine ganze Gruppe pauschal kriminalisiert, ist nichts weiter als ein borniertes, rassistisches Arschloch und zählt sicherlich nicht zu den Paradeexemplaren einer liberalen Demokratie. Falls sich darin irgendjemand wiedererkennt, darf er sich gern persönlich angegriffen fühlen. Das war Absicht.

Warum ich nicht links bin. (Part I)

Meine Gedanken kreisen schon seit geraumer Zeit darum, meine persönliche politische Philosophie niederzuschreiben – einerseits für mich selbst, andererseits, um immer wieder aufkommende Missverständnisse auszuräumen. Der philosophisch versierte Leser wird die Anspielung im Titel auf den großartigen Bertrand Russell sicherlich erkannt haben und auch wenn ich wohl mit seiner Wortgewalt nicht vollends mithalten kann, erschien mir der Titel durchaus passend. War Russell doch einer der vielen Denker, die mich auf dem Weg zu meinem heutigen Weltbild begleitet und geführt haben.

Bertrand Russell
Bertrand Russell (Quelle: brainpickings.org)

Ich werde immer wieder gefragt, welche politische Einstellung ich habe und warum. Gemeinhin vermeide ich das Wort „liberal“ am Anfang eher, vor Allem aufgrund seiner mittlerweile eher negativen Konnotation. Häufige nutze ich daher lieber diese Formulierung:
„Geh‘ mir nicht auf die Eier und wir werden die besten Freunde.“
Das ist, etwas zugespitzt, letztlich das grundlegende liberale Credo. Es beinhaltet die Selbstverantwortlichkeit, Privatsphäre und jegliche Individualrechte. Interessanterweise können viele meiner Gesprächspartner dieser Aussage zustimmen – sobald ich jedoch dazusage, dass ich liberal bin, sind sie überrascht, weil für sie Liberalismus etwas zutiefst Antisoziales und Gesellschaftsschädigendes ist.
An dieser Stelle ist es dann immer sehr hilfreich, wenn ich ihnen meinen eigenen politischen Werdegang näher erläutere.

Wir alle waren früher etwas Anderes.
„Wer mit 20 kein Kommunist ist, besitzt kein Herz – wer mit 40 immer noch Kommunist ist, keinen Verstand.“
So abgedroschen diese Floskel mittlerweile auch sein mag – so zutreffend ist sie jedoch auch. In meiner Jugendzeit war ich das, was man wohl als „sehr links“ bezeichnen kann. Ich vermeide bewusst den Begriff „linksextrem“, da dieser in meinen Augen Gewaltanwendung impliziert – welche ich jedoch immer abgelehnt habe (zumindest in politischen Auseinandersetzungen). Trotzdem war ich viele Jahre lang in der linken Szene verwurzelt, Mitglied der Linksjugend und regelmäßiger Demogänger. Ich kenne das Gefühl, in einem schwarzen Block mit 200 Autonomen zu stehen und die gleichen Sprechchöre zu brüllen. Ich kenne die beunruhigende Gruppendynamik, die dabei entsteht, das freigesetzte Adrenalin, die Bestätigung, die man erfährt. Man beginnt, sich nicht mehr als Individuum zu sehen, sondern versteht sich als Teil eines größeren Kollektivs, das ein übergeordnetes Ziel verfolgt, hinter dem die eigenen Interessen zurückfallen.
Bezeichnend war hierfür ebenfalls, wie bereitwillig und unkritisch ich antisemitische Propaganda übernahm. Lange Zeit war ich tatsächlich davon überzeugt, Israel würde an den Palästinenser einen zweiten Holocaust durchführen. Dass die Juden nichts aus ihrer Vergangenheit gelernt hatten und so weiter. Ich war tatsächlich davon überzeugt, Antizionismus sei kein Antisemitismus. Welch ein fataler Irrglaube. Dass diese Denkmuster letztlich doch noch aufgebrochen wurden, verdanke ich vor allem einem guten Freund, den ich ein paar Jahre später kennenlernen sollte. Doch bis dahin sollte es noch dauern und ich weiter daran glauben, ich allein hätte die Welt und ihre Funktionsweise verstanden.
Ich fühlte mich in einer moralisch-intellektuell überlegenen Position gegenüber all jenen, die meine Ansichten nicht teilten – eine Arroganz, die mir mittlerweile auch selbst sehr häufig bei vielen Linken auffällt.

13. Februar 2011
Wie viele sicherlich wissen, marschierten jährlich hunderte Neonazis am 13. Februar durch Dresden, in Gedenken des „Bombenholocausts“. Eine Veranstaltung, die maßgeblich zum Hofieren des deutschen Opfermythos genutzt wurde – Geschichtsrevisionismus inklusive.
Wie es sich für einen guten Linken gehörte, war ich natürlich ebenso wieder dabei, um mich der Gegendemonstration anzuschließen. Wer später die Medienberichte verfolgt hat, könnte meinen, Dresden gleiche einem Kriegsgebiet – und auf viele Stellen traf das wohl auch zu. Mein einschneidendes Erlebnis und damit auch mein persönlicher Bruch mit der linken Szene fand ebenfalls an diesem Tag statt.
Ein Bus voller Neonazis fuhr an uns vorüber und plötzlich hörten wir nur noch laute Schreie
„DER BUS! DER BUS! DER BUS!“ – und aus einer Seitenstraße stürmten ca. 30 vermummte Autonome, die sofort damit begannen, dem Bus mit Steinen, Stöcken und Fahnenstangen zu Leibe zu rücken. Man konnte die Angst der Nazis im Bus sehen und in diesem Moment wurde mir klar, dass hier etwas grundlegend falsch läuft. So hart bekloppt Nazis und ihre Ideologie auch sein mögen – waren wir wirklich besser als sie, wenn wir uns derselben Mittel, nämlich Einschüchterung durch Gewalt, bedienten?
Ich war noch nie so froh, einen Trupp schwer gepanzerter Polizisten zu sehen, die im Eiltempo auf den Bus zuliefen, um ihn aus der Gefahrenzone zu eskortieren und die Autonomen zu vertreiben.
Natürlich brach ich nicht sofort mit Allem, was mir während der letzten Jahre wichtig war, doch der erste Keim war gesetzt und sollte während der nächsten Monate und Jahre zu einer immer stärker werdenden Idee heranwachsen.

Ich begann also, mich wirklich damit auseinanderzusetzen, woran ich glaubte. Das mag auf einen rationalen Menschen erst einmal seltsam klingen. Man könnte doch eigentlich erwarten, dass man sich immer erst einmal damit beschäftigt, bevor man eine Überzeugung als die eigene annimmt. Aber, ach, welch Naivität. Ebenso wie das die wenigsten religiösen Menschen tun, die in westlich geprägten Industrienationen groß geworden sind, machen sich auch Anhänger politischer Ideologien selten die Mühe, sich damit wirklich tiefgreifend zu beschäftigen. Was vielerorts auch gar nicht gewollt ist. Es geht vor Allem um das Schaffen klarer Feindbilder, eines Gut-Böse-Dualismus und eines Wir-gegen-die-Gefühls. Ihr glaubt mir nicht?
Geht in die Kirche und fragt, wer wirklich die ganze Bibel gelesen hat und wenn ihr Spaß haben wollt, fragt, ob jemand an Drachen glaubt (s. Offenbarung des Johannes – 12,1).
Oder geht zu einem linken Infostand oder Büro und fragt, wer je wirklich die drei Bände des „Kapitals“ gelesen hat (übrigens eine sterbenslangweilige Lektüre). Wer von ihnen hat sich je mit Rousseau auseinandergesetzt? Oder mit Bakunin? Oder, oder, oder.

Mein Abschied vom Himmel
Rückblickend betrachtet, war das Interessanteste an meiner Entwicklung aber nicht so sehr mein Bruch mit der linken Szene, sondern meine immer stärker zunehmende Rationalisierung und Ablehnung metaphysischer Systeme bzw. Ideologien. Je liberaler ich wurde, desto entschiedener wurde ebenso auch meine Kritik an all jenen Strömungen, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, den Menschen in ein bestimmtes Korsett zu pressen und ihm alle nur möglichen Freiheiten unmöglich, oder zumindest unbehaglich zu machen.
Bezeichnete ich mich lange Zeit „nur“ als Agnostiker, änderte sich das, nachdem ich begann, die Bibel und den Koran zu lesen. Auch hatte sich meine Religionskritik bis dahin besonders aufs Christentum bezogen, da ich die Auffassung vieler Linker teilte, Kritik am Islam wäre per se rassistisch und würde nur rechte Ressentiments bedienen. Ein Irrtum, den es mir glücklicherweise abzulegen gelang. Setzte ich mich zuvor immer intensiver mit meiner politischen Überzeugung auseinander, sollte es nun der Religion an den Kragen gehen, weshalb ich viele Stunden damit verbrachte, mich durch die verschiedensten theologischen Streitereien, Kritiken, Anfeindungen, etc. zu lesen. Je areligiöser ich wurde, desto stärker prägte sich ebenso mein Skeptizismus aus.

Man muss dazu sagen, dass ich nicht untertreibe, wenn ich sage, dass ich in einer Familie aufwuchs, die von esoterischem Bullshit maßgeblich geprägt wurde. Geistheilen, Aurasehen, belebtes Wasser, Energiepunkte, Chakren, Wünschelruten, Impfkritik, Homöopathie, MMS, Chemtrails, Reptiloiden, Schamanismus und vieles mehr waren für mich keine Fremdwörter, sondern prägten mich einen großen Teil meiner Kindheit und Jugend. Auch ich nahm vieles davon jahrelang für bare Münze, glaubte, Teil eines erlesenen, ja, auserwählten Kreises zu sein, der eine Art geheimes Wissen besaß. Meine Familie gab und gibt enorme finanzielle Summen (gemessen an ihrem Einkommen) aus, um weiterhin Teil dieses Zirkels zu sein. Heute halte ich es für einen der größten Fehler des deutschen Strafrechts, dass hier nicht hart genug gegen offensichtliche Betrüger vorgegangen wird – Homöopathie wird teilweise sogar von den Krankenkassen getragen. Willkommen in der Welt des esoterischen Bullshits. Dieselben Leute, die sich für aufgeklärt halten und Religion als etwas Antiquiertes ablehnen, bestellen im nächsten Moment ihre Wünsche beim Universum. So viel dazu.
Es erscheint mir durchaus bezeichnend, dass viele Menschen, die sich selbst als links und/oder grün verstehen, große Schnittmengen mit esoterischen Welterklärungsmustern teilen und natürlich ebenso affin für allerlei Verschwörungstheorien sind, die in der Esoterikszene längst zum guten Ton gehören. Die vier Hauptschuldigen sind so auch schnell ermittelt:
Die USA (CIA), Israel (Mossad), der Westen oder der Kapitalismus.
Das sind die Lieblingsfeindbilder der globalen Linken, welche sich je nach Anlass in unterschiedlichster Weise kombinieren lassen. Moment, sagte ich der Linken? Pardon, ich vergaß – wer sich auf den einschlägigen Internetseiten herumtreibt und der Propaganda entsprechender Parteien zuhört, wird schnell erkennen, dass kaum mehr ein Unterscheidungsmerkmal zwischen links und rechts existiert – die Feinbilder sind in vielen Fällen nämlich nahezu identisch. Man nennt es wohl Ironie der Geschichte, dass Linke und Rechte letztlich gegen einen gemeinsamen Feind kämpfen – wenn auch aus unterschiedlichen Motiven heraus.
Ich für meinen Teil sehe darin einen hervorragenden Indikator, dass man genau dann auf dem richtigen Weg ist, wenn das eigene Handeln Linke wie Rechte anpisst. Deshalb mag uns Liberale auch niemand – weil wir keinerlei Kollektive befürworten, weil wir den Menschen eigene Entscheidungen zugestehen und sie so wenig wie möglich bevormunden möchten. Der Liberale sitzt immer zwischen den Stühlen – er kann es naturgemäß niemandem rechtmachen. Er maßt sich nicht an, die besten Ideen für alle Menschen zu haben, weil er genau weiß, wie unterschiedlich die Menschen sind und dass ein jeder variierende Bedürfnisse und Vorstellungen hat. Einen Masterplan, der Glück für alle verspricht, kann der Liberale nicht liefern –dessen ist er sich bewusst – und genau deshalb bleibt er auch unbequem und wird nicht in absehbarer Zeit die Anerkennung bekommen, die er verdient. Er will nicht führen – aber er will ebenso wenig folgen. Er will den Menschen die Freiheit geben, selbst zu entscheiden, was sie glücklich macht – aber ihnen ebenso die Möglichkeit geben, Fehler zu machen, zu scheitern – um daraus zu lernen und zu wachsen. Der Liberale will, dass der Mensch für sich selbst Verantwortung übernimmt – einen goldenen Käfig lehnt er rigoros ab.
Diese Prinzipien sind unattraktiv. Sie sind anstrengend und bieten keine einfachen Lösungen für komplexe Probleme an.

To be continued…

Vom Menschen, der fliegen wollte.

Ich habe mich ja wirklich daran versucht, nicht über Flug 4U9525 zu schreiben – eben weil mir dieser ganze Flugzeugkatastrophenunglücksmist ohnehin schon meine Facebook- und Twitterwall verhagelt. Aber, ach, ich kann eben auch nicht aus meiner Haut.
Was tut man also als gefühlskalte, neoliberal-kapitalistische Faschistensau?
Man veröffentlich diesen Post auf Facebook und stoppe die Zeit, bis der zu erwartende Shitstorm einsetzt:

„Wenn Gott gewollt hätte, dass die Menschen fliegen können, dann hätte er ihnen Flügel gegeben.
Ergo: selbst schuld.“

Germanwings
Quelle: Getty Images

Natürlich dauerte es nicht allzu lange, bis die selbsternannte Sittenwächterfraktion inkl. Humorwächterabzeichen erschien und mit erhobenem Finger erzählte, das dürfe man nicht sagen, weil wegen der Opfern und das wäre alles ganz schlimm und darüber dürfe man sich nicht lustig machen, weil blablub.
Doch. Darf man. Muss man sogar.

Nur wer den Tod verlachen kann, hat verstanden, was Leben heißt.
Deshalb finde ich diesen ganzen Betroffenheitszirkus auch unsagbar dämlich. Jeder (und leugnet es nicht) von uns hat in irgendeiner Weise schon einmal zynische Sprüche bezüglich Tragödien gebracht. Die Leute, die jetzt „trauern“ sind mitunter dieselben Wichser, die 2001 nach dem Anschlag auf die Twin Towers Gründe gesucht haben, warum das irgendwie gerechtfertigt sein könnte. DAS ist zynisch. Nicht so ein alberner Spruch, der klar als schwarzer Humor zu erkennen ist und seinen Zweck offensichtlich erfüllt – denn er polarisiert.
Klar hätte ich Betroffenheit heucheln können, die ich nicht empfinde – oder einfach nichts sagen, worauf ich aber keine Lust hatte.
Klar ist das empathielos – mir sind die Opfer egal, weil mich nichts mit ihnen verbindet und ich keine emotionale Beziehung zu ihnen verspüre – wozu also Trauer heucheln?
Die ganzen Arschlöcher, die heute trauern, sind morgen wieder die ersten, die Terroropfer verhöhnen, indem sie von gerechten Kämpfen sprechen. Mich pisst einfach diese Doppelmoral, diese ganze Betroffenheitskacke an, die eben nur dann zum Tragen kommt, wenn es gerade in das eigene kleine Weltbild passt.
Man überlege sich einmal, wie die Reaktionen der Leute aussehen würden, wäre das eine amerikanische oder israelische Maschine gewesen – die ganzen antiamerikanischen und antisemitischen Wichser wären aus ihren Löchern gekrochen und hätten sich gefreut.
Wer sagt, ich sei zynisch, mag damit durchaus Recht haben – aber wenigstens bin ich kein Heuchler, sondern immerhin ein ehrlich Zyniker.

Was ist wohl der Hauptgrund ist, dass so viele Menschen Anteilnahme zeigen? Weil es keinen „höheren“ Grund gibt, an dem man das Ganze relativieren könnte. Es ist kein politischer Akt gewesen, sondern der eines verzweifelten Einzeltäters. Deshalb bleibt Ohnmacht und Ratlosigkeit zurück. Weil sich kein Rechtfertigungsgrund finden lässt.
Wer mir nicht glaubt, der mache sich doch einfach mal die Mühe und schau die Presseberichte inkl. zugehöriger Kommentare und generellen Reaktionen an, als ein Passagierflugzeug von russischen Söldnern über Ukraine abgeschossen wurde – war die Anteilnahme da auch nur ansatzweise ähnlich hoch?
Nein. War sie nicht. Weil es politische und somit abstrakte Gründe gab, an denen man das relativieren konnte und die Opfer in den Hintergrund rückten. DAS ist wirklich menschenverachtend.

Doch Humor? Nein, Humor ist das genaue Gegenteil davon.
Humor kennt keine Grenzen, darf keine Grenzen kennen.
Humor ist etwas grundlegend Positives – wer Humor verbietet, sei es aus Gründen des Anstands, der Ästhetik oder subjektiven Wertvorstellungen erschafft damit eine Verbotskultur, die alles, was ihr unangenehm erscheint, reflexartig wegsperrt.
Humor ist DAS Symbol für Freiheit, für Unabhängigkeit – wer über etwas lacht, hat keine Angst mehr davor, lässt sich nicht von gegenteiligen Ansichten einschüchtern oder beirren. Genau das ist auch der Grund, weshalb jedes autoritäre System zuerst den Humor einschränkt – weil man nur zu gut weiß, wie befreiend dieser wirken kann.

Oder um es mit Hesse zu sagen:
„Humor ist immer Galgenhumor, und nötigenfalls lernen Sie ihn eben am Galgen.“

Antikapitalistischer Kapitalismus made in Frankfurt

Antikapitalistische Linke nutzen kapitalistische Fortbewegungsmittel (Auto, Bus, Bahn), um sich zu großflächig zu einer antikapitalistischen Demonstration zu versammeln. Anschließend nutzen sie kapitalistische Technik (Smartphone, Internet), um mithilfe kapitalistischer Medien (Twitter, Facebook) darüber zu berichten.
Um gegen die Gewalt des menschenverachtenden Kapitalismus noch effektiver zu protestieren, nutzen sie kapitalistische Hilfsmittel (Feuerzeuge, Sprengkörper), mithilfe derer sie mit den kapitalistischen Symbolen (Autos, Mülltonnen) und deren Hüter (Polizisten) in einen produktiven Gedankenaustausch (Schlagstöcke, Tränengas, brennende Barrikaden) treten.

Arne Dedert/picture-alliance/dpa/AP Images/Associated Press
Bild: Arne Dedert/picture-alliance/dpa/AP Images/Associated Press

Antikapitalismus bedeutet also, die Annehmlichkeiten des Kapitalismus zu nutzen, um genau diese Annehmlichkeiten zu zerstören.
Verstehe einer diese Welt.