Wählt nicht den Hass.

Ich weiß, dass ich diesen Blog mittlerweile sehr stiefmütterlich behandle.
In den allermeisten Fällen vergnüge ich mich lediglich nur noch auf meiner (öffentlich einsehbaren) Facebook-Spielwiese. Der Grund dafür ist sehr pragmatischer Natur:
In der Regel schreibe ich, wenn ich Ruhe habe und meinen Gedanken ihren Lauf lasse. Das passiert dann häufig direkt auf Facebook und es wäre mir schlicht zu viel Aufwand, jeden Beitrag auch noch extra kompatibel für den Blog zu formatieren. Aber es gibt Ausnahmen, wenn es sinnvoll sein kann, die virtuelle Wand zweier Websites zu durchbrechen und auch den anderen Kanal zu nutzen. Dies hier ist so ein Fall.

Der Löwenteil meiner vergangenen Facebookbeiträge drehte sich nur um die Absurditäten rund um Deutschlands Alternative Nummer Eins.
Die letzten paar Tage haben allerdings gezeigt:
Exakt diese monothematische Fixierung ist leider mehr als nur notwendig.
Wir befinden uns in einer Situation, die seit Jahrzehnten einmalig ist. In ein deutsches Parlament werden erstmals wieder Menschen einziehen, die mehr oder weniger offen mit nationalsozialistischem Gedankengut sympathisieren. Wer mich kennt, der weiß, dass ich kein großer Freund des Totschlagarguments des Nazi-Vorwurfs bin, doch „glücklicherweise“ sprechen die Verantwortlichen selbst deutlich genug.
Gauland und seine Gefolgsleute; Weidel, die vielleicht dann doch eine Mail mit fragwürdigem Inhalt geschrieben hat; Gedeon mit seiner Antisemitenschar, etc.
Ich glaube nicht, dass sich Geschichte wiederholt, aber ich befürchte, die Hemmschwelle für Extreme hat sich sukzessive nach unten verschoben und wir sind kurz davor, genau diese Extreme in den Bundestag zu wählen.
Wir haben den Hass parlamentarisiert.

Vor etwa zweieinhalb Jahren habe ich diesen Hass live erlebt, als ich über Erfahrungen auf der PEGIDA-Demonstration schrieb. Sowohl auf der Demo selbst gab es Anfeindungen, als auch anonyme Gewalt/Morddrohungen im Netz nach Veröffentlichung meines Artikels.
Wenn man den Bildern öffentlicher Veranstaltungen Glauben schenkt (und ich habe diesbezüglich keinen Anlass, das nicht zu tun), hat sich dieser Hass in den letzten Jahren noch intensiviert.
In nicht mal einer Woche, werden wir einen Spiegel davon in Berlin zu sehen bekommen.
Das ist beängstigend. Auf die „Nie-Wieder“-Generation folgt eine, die mit längst überwunden gehofften Ideen lockt.
Wir haben den Hass parlamentarisiert.

Ich gebe es ja freimütig zu: Auch ich bin frustriert mit der aktuellen Parteienpolitik, aber ich bin auch ein nihilistischer Liberaler, der weiß, dass er keine zufriedenstellende politische Heimat finden wird. Mir sind die Linken zu links, die Grünen zu grün, die Konservativen zu konservativ – nur die Liberalen sind bei Weitem nicht liberal genug. Das ist tragisch, aber das ist auch Deutschland – ein Land, das Eigenverantwortung immer misstrauisch gegenüber stand.
Ironie der Geschichte:
Menschen, die einen starken Staat wollen, könnten eines Morgens aufwachen und realisieren, dass plötzlich Menschen im Staat Macht erhalten, die sie nicht haben sollten.
Wir haben den Hass parlamentarisiert.

Eigentlich wollte ich diesen ganzen Text viel wütender, viel polemischer schreiben. Doch im Gegensatz zu sonst, bedeutet mir das hier tatsächlich etwas. Scharfe Worte wirken zu schnell abstoßend auf sanfte Geister, also warum nicht einmal auf diese Weise versuchen. Ich weiß nicht, wen ich mit diesen Zeilen erreiche. Vielleicht sind es nur ein paar Dutzend – vielleicht aber auch ein paar Tausend wie vor einigen Jahren schon einmal. Sollte es allerdings auch nur einen Verstand zum Umdenken bewegen, ist mir das mehr als genug.
Wir brauchen nicht noch mehr Hass in der Politik, sondern konstruktive Lösungen.
Wir brauchen keine lautstarken Demagogen und Hetzer, sondern besonnene Denker und Aufklärer.
Wir brauchen rationalen Diskurs, statt emotionalem Aufschrei – Fakten und nicht Ideologien.
Lasst uns den Hass der Straße nicht auch noch ins Parlament tragen.
Wählt nicht den Hass.

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Autor: Egoteaist

Existenz positiv bestätigt. Glaube ich. Alles andere ergibt sich.

3 Kommentare zu „Wählt nicht den Hass.“

  1. Der Blogeintrag ist mir viel zu viel Klischee. „Hass“ und „konstruktive Lösungen“ sind Floskeln mit denen ich ohne konkrete Beispiele nicht viel anfangen an.

    Aber werden wird doch mal konkret: Selbst Sie geben eine „monothematische Fixierung“ zu, die mehr als „notwendig“ sei. Und wodurch wird diese Fixierung noch einmal hervorgerufen? Nur durch die AfD.

    Ohne die AfD würde die deutsche Politik über ganz andere Dinge reden, von „Lösungsansätzen“, die zumindest mal grob in die richtige Richtung gehen, ganz zu schweigen.

    Deutschland hat die AfD ganz bitter nötig. Mir wäre eine heile Welt ohne AfD auch lieber, aber offensichtlich geht es nicht ohne.

    Von ihrem Demokratieverständnis mal ganz zu schweigen. Die AfD kommt vielleicht auf 8% bis 12%, wenn es ideal läuft. Das ist nun wirklich nicht viel, trotzdem fühlen sich dann überraschend große Teile der restlichen 88-92% böse angegriffen. Wenn die Weltsicht des Establishments nicht bei jeder verdammten Wahl 99-100% der Stimmen bekommt, lassen sie gleich ihre Fascho-Masken fallen. Darüber kann man wirklich nur lachen, wenn es nicht so erschreckend wäre.

    Im Grunde wäre eine Trump-Bewegung mit 50% + X die richtige Therapie für Deutschland und die EU. Aber das kann auch noch kommen, wenn die etablierte Politik so weitermacht. Es liegt fast nur an der etablierten Politik. AfD-Bashing ist nur virtue signalling. Diese neuen Politiker und Parteien würde es gar nicht geben, wenn gewisse etablierte Politiker und Parteien einfach mal ihren Job machen würden.

    1. Der Blogeintrag ist mir viel zu viel Klischee. „Hass“ und „konstruktive Lösungen“ sind Floskeln mit denen ich ohne konkrete Beispiele nicht viel anfangen an.

      Natürlich ist er Klischee. Auch Klischees haben reale Hintergründe. Der Beitrag ist in diesem Fall schlicht nicht dazu gedacht, eine detaillierte Abhandlung zu sein. Und der „Hass“, ist tatsächlich sehr real, was ich selbst nicht nur einmal erlebt habe.

      Aber werden wird doch mal konkret: Selbst Sie geben eine „monothematische Fixierung“ zu, die mehr als „notwendig“ sei. Und wodurch wird diese Fixierung noch einmal hervorgerufen? Nur durch die AfD.

      Aber nicht auf ihre Themen, sondern ihren antisemitischen und faschistischen Müll. Toller Fokus.

      Von ihrem Demokratieverständnis mal ganz zu schweigen. Die AfD kommt vielleicht auf 8% bis 12%, wenn es ideal läuft. Das ist nun wirklich nicht viel, trotzdem fühlen sich dann überraschend große Teile der restlichen 88-92% böse angegriffen. Wenn die Weltsicht des Establishments nicht bei jeder verdammten Wahl 99-100% der Stimmen bekommt, lassen sie gleich ihre Fascho-Masken fallen. Darüber kann man wirklich nur lachen, wenn es nicht so erschreckend wäre.

      Darum geht es auch nicht. Natürlich ist der relative Anteil immer noch recht überschaubar. Die Radikalisierung innerhalb dieses Anteils, ist dennoch sehr deutlich. Das kann man natürlich toll finden – oder eher bedauerlich, weil so etwas einem politischen Diskurs nicht sonderlich gut tut. Wenn alle nur noch schreien, versteht am Ende niemand mehr etwas.

      1. Und der „Hass“, ist tatsächlich sehr real, was ich selbst nicht nur einmal erlebt habe.

        Das glaube ich durchaus, dass bei diesen „Demos“ sehr unappetitliche Gestalten unterwegs sind. Daraus aber zu schließen, dass alle AfD-Wähler so sind und von „Hass“ getrieben würden, geht dann doch zu weit. Das macht Sie dann letztendlich nicht besser als diese Gestalten, die Sie kritisieren.

        Aber nicht auf ihre Themen, sondern ihren antisemitischen und faschistischen Müll. Toller Fokus.

        Gut, das ist vielleicht Ihr Fokus und der Fokus gewisser Medien, weil man über andere Dinge nicht reden will. Politisch relevant oder gar an der Zukunft von Deutschland/Europa orientiert, ist das alles aber nicht. Das sind nur Pseudo-Diskussionen, ähnlich wie bei Gender-Toiletten.

        Wenn alle nur noch schreien, versteht am Ende niemand mehr etwas.

        Ich habe schon den Eindruck, dass langsam mehr verstanden wird. Das TV-Duell der beiden Koalitionäre war ein regelrechter Überbietungswettbewerb von Merkel und Schulzi, wer nun wen rechts überholen und den harten Hund markieren darf. Das war schon sehr amüsant und außerordentlich grotesk.

        Und Merkel erzählt seit einigen Wochen fortlaufend, 2015 sei zwar der tollste Sommer der Weltgeschichte gewesen und sie habe nichts falsch gemacht, ABER wiederholen dürfe sich ihre tolle Erfolgsgeschichte nie wieder. Sie werde „alles“ dafür tun, das so etwas nie wieder geschehe. Aha.

        Und ein paar Gesetze wurden auch verabschiedet, habe ich gelesen. Und selbst ein Özdemir erzählt plötzlich der WELT würde ja sowieso viel härter gegenüber Islamisten vorgehen als SPD, CDU, Linke und FDP zusammen. Aber natürlich.

        Und Merkel-Klon Lindner will sich da erst recht nicht Lumpen lassen und packt Woche für Woche eine neue Hardliner-Idee aus, die wirkt als hätte er sie direkt aus einem AfD-Heftlein geklaut, die aber „selbstverständlich rein gar nichts“ mit der AfD zu tun hat. Schon klar.

        Natürlich ist das alles zu 99% komplett gelogenes Wahlkampf-Gerede, aber letztendlich sind es auch Aussagen, die so getätigt werden und an die sich der eine oder andere Wähler (oder gar Politiker) vielleicht irgendwann einmal erinnert.

        Die Debatte ist jedenfalls da und voll auf Kurs – und Sie müssten schon in einer sehr ausgeprägten Fantasie-Welt leben, wenn Sie ernsthaft glauben würden eine ähnliche Entwicklung würde es geben, wenn sich rechts der Merkel-CDU KEINE neue Partei gebildet hätte.

        Die Probleme müssen jedenfalls gelöst werden und dazu braucht man erst einmal eine Debatte, was nun eigentlich das Thema sein soll. Massenexodus nach Europa oder doch die 28-Stunden-Woche und Freibier für alle? Und wenn die realen Probleme nicht gelöst, werden DANN besteht in der Tat die Gefahr, dass radikalere Parteien wie die AfD immer stärker werden. Das liegt in der Natur der Sache. Verhindern könnte man so etwas nur in einer kommunistischen oder faschistoiden Diktatur à la Orwell. Und weitere Schritte in diese Richtung wären jetzt nicht so toll, um es mal vorsichtig auszudrücken.

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