Hauptbahnhof Köln, ein Trauerspiel – oder warum Abschieben keine Lösung ist

Mittlerweile werden es die meisten wohl mitbekommen haben, was da in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof abging.

„Etwa 60 Frauen erstatteten in den vergangenen Tagen Anzeige bei der Polizei, weil ein Mob junger Männer – die Zeugenaussagen reichen von 20 bis 100 Tätern – sie begrapscht, bedroht, beschimpft und ausgeraubt habe.“

Was das Ganze aber für viele wirklich erst interessant macht, ist folgender Umstand:

„Laut übereinstimmender Zeugenaussagen der betroffenen Frauen sollen die Täter „nordafrikanischer Herkunft“ sein.“

BAM! Da haben wir es. „Nordafrikanische Herkunft“ – DER Trigger schlechthin. Glücklicherweise habe ich das Privileg, auf meinem Facebook-Account Menschen unterschiedlichster Couleur zu meinen virtuellen Freunden zählen zu dürfen – daher bietet mir diese bunte Ansammlung unterschiedlichster Geister tagtäglich einen wunderbaren Querschnitt durch die Gesellschaft, der faszinierender kaum sein könnte. So natürlich auch hier.

Hauptbahnhof Koeln - Empfangshalle bei Nacht
Quelle: Wikimedia

Manch einer stimmt fröhlich in den Chor der „Ich hab es ja schon immer gewusst“-Sager ein, andere hingegen sind besorgt darüber, dass es nun noch stärkere Ressentiments gegenüber Flüchtlingen geben wird. Eine der häufigsten Forderungen, und das wohlgemerkt über politische Grenzen hinweg, die ich im Zuge dessen aber gelesen habe, war der Ruf nach sofortiger Abschiebung der Täter.
Nun, so sehr diese Forderung auch vorhersehbar war, so unsinnig und kurzsichtig ist sie auch.
Wunderbar zusammengefasst hat es daher schließlich ebenfalls eine Dame in meinem Facebook-Feed:

„Vielleicht waren das ja sogar „Ausländer“ am Kölner Hbf. Vielleicht waren es sogar Osteuropäer, Wirtschaftsflüchtlinge oder so etwas. Das wäre definitiv kein Grund irgendjemanden abzuschieben, schon alleine weil „nordafrikanische Frauen“ genauso wenig belästigt werden wollen wie Deutsche.“

Was nämlich all jene, die reflexartig nach Abschiebung geifern, vergessen, ist: Das Problem wäre damit nicht aus der Welt – es liegt jetzt nur woanders.
Wer mich kennt, weiß, dass ich längst kein Freund der naiven Vorstellung davon bin, dass alle Menschen, die hierherkommen, nett und friedlich sind. Im Gegensatz zu vielen Rechten und leider auch Liberalen bin ich jedoch nicht der Ansicht, dass man die Arschlöcher einfach ausweisen sollte und damit das Problem schlicht auslagert.
Bevor jetzt der berechtigte Einwand kommt:
Ja, ich habe vor einer Weile noch anders darüber gedacht, aber mir ist klargeworden, dass mein Denken schlicht zu kurzfristig war, daher revidiere ich diesen Punkt hiermit – soll mir doch niemand vorwerfen können, ich würde mich nicht weiter entwickeln.
Wir haben hier mittlerweile also viele Menschen aus Ländern, die nicht unbedingt auf eine lange Tradition von Demokratie, Menschenrechten und Gleichberechtigung zurückschauen können. Das ist eine Tatsache und diese sollte man nicht schönreden. Man muss Lösungen finden und zwar hier, mit diesen Menschen und nicht „aus den Augen, aus dem Sinn“ spielen.
Es existiert ein fundamentaler Punkt, der „Asylkritiker“ wie die „Refugees-Welcome-Fraktion“ eint, auch wenn sie sich dessen wahrscheinlich gar nicht bewusst sind. Beiden ist gemein, dass sie den Flüchtlingen ihre Verantwortungsfähigkeit absprechen. Für den Asylkritiker sind es unzivilisierte Barbaren, die den Westen bedrohen (keine Sorge, das macht der schon ganz gut selbst); während die RWF (tolles Akronym, ich weiß) davon überzeugt ist, dass das alles nur Opfer der Umstände und entsprechenden Sozialisation sind und daher nichts dafür können, wenn sie Scheiße bauen.
Für mich sind beide Positionen Bullshit.
Ja, natürlich teilen nicht alle unseren Wertekanon.
Nein, das bedeutet nicht automatisch, dass das auch so bleibt und dass sich niemand ändern kann.
Nein, das heißt ebenso nicht, dass Menschen, die Scheiße bauen, nicht zur Verantwortung gezogen werden können.
Diese Menschen sind weder unzivilisierte Barbaren noch edle Wilde – es sind in erster Linie Menschen – mit all ihren Fehlern. Wie geht man also mit Menschen um, die hierherkommen und Straftaten begehen? Richtig, so wie mit allen anderen auch. Man ermittelt, es gibt ein rechtsstaatliches Verfahren und am Ende ein (hoffentlich) vernünftiges Urteil. Man schiebt sie aber nicht ab und überlässt das Problem anderen – das wäre nämlich im Endeffekt auch nicht sonderlich zivilisiert. Man kann nicht einerseits anprangern, wie schlecht es um die rechtstaatliche Situation in vielen islamischen Ländern steht, wenn man dann nichts tut, um die Menschen, die von dort kommen, zu ändern, wenn man schon einmal die Chance bekommt.
Flüchtlinge, die hier leben, müssen ebenso die Spielregeln akzeptieren, wie alle anderen auch – wer das nicht kann, der wird bestraft – wie alle anderen auch. Menschen abzuschieben, ist nicht nur unfair gegenüber den Menschen in den Ländern, in die sie zurückkehren, sondern schlichter Rassismus. Es werden Menschen anders behandelt, nur weil sie das Pech hatten, in einem anderen Land geboren worden zu sein – warum? Das ist doch Bullshit. Wenn Flüchtling A Person B zusammenschlägt, dann gehört er nicht abgeschoben, sondern verurteilt und ins Gefängnis. Und zwar hier.
Der tatsächliche große zivilisatorische Vorteil des Westens ist der, dass die Bestrafung eines Täters nicht mehr nur zur Kompensation des Opfers dient, sondern dass man dem Menschen die Fähigkeit zur Einsicht und Veränderung zuspricht.
Statt also Bullshit-Positionen zu vertreten, überlegt euch lieber, wie sinnvolle und humane Lösungen aussehen könnten.
Ich habe fertig.

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Autor: Egoteaist

Existenz positiv bestätigt. Glaube ich. Alles andere ergibt sich.

7 Kommentare zu „Hauptbahnhof Köln, ein Trauerspiel – oder warum Abschieben keine Lösung ist“

  1. Der tatsächliche große zivilisatorische Vorteil des Westens ist der, dass die Bestrafung eines Täters nicht mehr nur zur Kompensation des Opfers dient,

    Eine Kompensation der Opfer findet in diesen Fällen faktisch nie statt. Die Täter stellen sich als „mittellos“ dar, damit ist der Fall erledigt. Hinweise auf einen „zivilisatorischen“ Vorteil des Westens sehe ich im konkreten Beispiel in keiner Weise. Im Gegenteil das ist nur Arroganz und Ignoranz, die die Täter zudem als Schwäche auslegen. Wahrscheinlich zurecht.

    wie alle anderen auch. Menschen abzuschieben, ist nicht nur unfair gegenüber den Menschen in den Ländern, in die sie zurückkehren, sondern schlichter Rassismus.

    Wer sich als Gast in seiner Zufluchtsstätte grob daneben benimmt, fliegt raus. DAS ist Zivilisation. Alles andere ist Relativismus, Opferverhöhnung, Barbarei.

    Meinungsfreiheit heißt nicht automatisch, Recht zu haben.

    Interessante Kommasetzung. Warum nicht noch zwei oder drei Kommas dazu? Deutsche Kommasetzung heißt, nicht automatisch, aber manchmal dann doch, Kommas zu setzen, wo man gerade will? 😉

    1. „Eine Kompensation der Opfer findet in diesen Fällen faktisch nie statt.“
      Das ist aber eher ein Problem der gelebten Realität und nicht der zugrundeliegenden Gesetzmäßigkeit. Mal ganz davon abgesehen, dass ich gerne entsprechende Statistiken für „faktisch nie statt“ haben würde.

      „Wer sich als Gast in seiner Zufluchtsstätte grob daneben benimmt, fliegt raus. DAS ist Zivilisation. Alles andere ist Relativismus, Opferverhöhnung, Barbarei.“
      Wenn wir von privaten Grundstücken reden würden, wäre ich voll bei dir. Tun wir aber nicht. Es geht hier um Staatsgebiete und nicht um private Eigentumsrechte. Du erklärst nicht schlüssig, warum das Rauswerfen tatsächlich Zivilisation sein sollte und warum eine vernünftige Bestrafung (nichts anderes forder ich) Relativismus, Barbarei und Opferverhöhnung sei.

      „Interessante Kommasetzung. Warum nicht noch zwei oder drei Kommas dazu? Deutsche Kommasetzung heißt, nicht automatisch, aber manchmal dann doch, Kommas zu setzen, wo man gerade will?“
      Das Komma beim Infinitiv mit zu ist fakultativ 😉

      1. Das ist aber eher ein Problem der gelebten Realität und nicht der zugrundeliegenden Gesetzmäßigkeit.

        Das ist ein interessanter Satz. In anderen Worten: Wenn Realität und Theorie meilenweit auseinander liegen, muss sich die Realität gefälligst der Theorie anpassen und nicht umgekehrt.

        Du erklärst nicht schlüssig, warum das Rauswerfen tatsächlich Zivilisation sein sollte

        So sieht das Gastrecht in sehr vielen Zivilisationen aus. Und das über Jahrtausende. Das ist ganz tief in den Menschen drin. Gastrecht, Staat, Privatbesitz – ich würde mal spontan sagen diese Empfindungen leiten sich aus dem ziemlich exakt gleichen Stamm unseres (wahrscheinlich genetisch veranlagten) Rechtsempfindens ab. Ich würde behaupten das ist Teil unserer menschlichen Kernmoral. Eine Moral, die uns erst zum Menschen macht.

        Meine humane Ethik ist in sich schlüssig: Wer sich als Gast grob daneben benimmt, der fliegt. Mit Rassismus hat das rein gar nichts zu tun.

        Wenn dann musst du mir erklären, warum das Gastrecht in deiner Ethik im einen Fall verwirkt werden kann und im anderen plötzlich nicht. Logisch oder gar moralisch ist das nicht. Im Gegenteil das ist ein eklatanter Widerspruch. Entweder oder.

        Das Komma beim Infinitiv mit zu ist fakultativ

        I know. Es sieht in diesem Fall nur bescheiden aus, deshalb würde ich es weglassen.

      2. „Das ist ein interessanter Satz. In anderen Worten: Wenn Realität und Theorie meilenweit auseinander liegen, muss sich die Realität gefälligst der Theorie anpassen und nicht umgekehrt.“
        Das war nicht meine Intention, falls das so angekommen ist, dann sorry dafür. Was ich damit meinte, ist vielmehr Folgendes:
        Die Gesetzmäßigkeit an sich ist häufig sinnvoll und praktikabel – sie wird zuweilen jedoch nicht konsequent angewendet. Das ist aber nicht das Problem der Theorie. Nur weil Menschen Menschen umbringen, muss der Mord nicht legalisiert werden, weil die Realität nicht mit der Theorie konsistent ist. Die Theorie in diesem Fall ist ein Ideal, natürlich, aber das ist jeder Gesellschaftsentwurf. Ziel sollte sein, das Ideal zu erreichen und nicht es einem fatalistischem Realismus zu opfern – das bringt am Ende niemanden weiter.
        Und ich wäre nach wie vor vorsichtig mit der Hypothese, es wäre faktisch immer so.

        „So sieht das Gastrecht in sehr vielen Zivilisationen aus. Und das über Jahrtausende. Das ist ganz tief in den Menschen drin. Gastrecht, Staat, Privatbesitz – ich würde mal spontan sagen diese Empfindungen leiten sich aus dem ziemlich exakt gleichen Stamm unseres (wahrscheinlich genetisch veranlagten) Rechtsempfindens ab. Ich würde behaupten das ist Teil unserer menschlichen Kernmoral. Eine Moral, die uns erst zum Menschen macht.“
        Soweit gehe ich mit.

        „Meine humane Ethik ist in sich schlüssig: Wer sich als Gast grob daneben benimmt, der fliegt. Mit Rassismus hat das rein gar nichts zu tun.“
        Und hier ziehe ich den Cut. Wenn du ein Haus baust oder ein Unternehmen gründest, was auch immer, dann erwirbst du dir die Eigentumsrechte daran, da es dein Tun war, was das Produkt hervorgebracht hat – demnach kannst du damit auch im Idealfall recht frei tun und lassen, wie es dir beliebt.
        Dass du in einem bestimmt Staat geboren wurdest, ist zuerst einmal schlichter Zufall (oder Glück, je nachdem). Wenn du Menschen, die gerade hier leben, anderen Gesetzmäßigkeiten unterwerfen willst als jene, die schon gebürtig von hier stammen, definierst du die Wertigkeit (iSv „Wert in Relation zur Gesetzmäßigkeit“) anhand der Herkunft und das wiederum kann man durchaus als Rassismus/übersteigerter Nationalismus werten.

        „Wenn dann musst du mir erklären, warum das Gastrecht in deiner Ethik im einen Fall verwirkt werden kann und im anderen plötzlich nicht. Logisch oder gar moralisch ist das nicht. Im Gegenteil das ist ein eklatanter Widerspruch. Entweder oder.“
        Es gibt hier kein Entweder-Oder. Eben weil das, wie gezeigt, zwei verschiedene Fallkonstellationen mit unterschiedlichen Prämissen sind. Allein, weil viele so empfinden (!), dass der Nationalstaat an sich ihr Eigentum wäre, macht es das nicht realer. Der Staat gibt lediglich den Rahmen vor, in dem die Individuen miteinander agieren können – und das, im besten Fall, ohne darauf zu schauen, woher jemand kommt.
        Der Unterschied besteht hier schlicht darin, dass es in einem Fall um Privat- und im anderen Fall um öffentliches Recht geht. Diese zwei Rechtsbereiche in dieser Form zu vermischen, halte ich aus erläuterten Gründen für unsinnig.

      3. anhand der Herkunft und das wiederum kann man durchaus als Rassismus/übersteigerter Nationalismus werten.

        Dann ist der deutsche Staat rassistisch und alle anderen Staaten der Welt auch. Denn wohl fast alle Staaten schieben Gäste ab, die es zu extrem treiben. Das ist so selbstverständlich, dass es verwundert, dass man überhaupt darüber diskutieren muss.

        So weit wie Sie würden wohl nur wenige gehen. Ihre Meinung ist extremistisch. Sie verkaufen ihre Meinung aber als Normalität und wer etwas anderes sagt, der sei der Rassist und damit der Extremist. Das macht die Sache aber auch nicht wahrer.

        Wie gesagt mit Rassismus hat das nichts zu tun. Abschiebung ist eine Form der Strafe, die man auf Einstaatler leider nur schlecht anwenden kann, weil sie nur dies eine Heimat haben.

        Es ist beispielsweise auch keine Diskriminierung von reichen Straftätern, wenn man von diesen Leuten hohe Geldstrafen und/oder hohen Schadensersatz kassiert, während man ähnliche Summen bei mittellosen oder angeblich mittellosen Straftätern niemals eintreiben kann.

        Migranten und reiche Menschen sind so gesehen Plusdeutsche: Sie haben etwas, was andere Menschen nicht haben. Zwei Staatsangehörigkeiten zum Beispiel oder relativ viel Geld.
        Wer von etwas mehr hat, den kann eine Strafe natürlich stärker treffen. Das liegt in der Natur der Sache. Einen Masochisten, der Gefängnisse liebt, kann man nicht mit einem Gefängnis bestrafen. So gesehen müsste man alle Strafen abschaffen, weil es immer Leute gibt, die man über Strafen nicht erreichen kann.

        Der Staat gibt lediglich den Rahmen vor, in dem die Individuen miteinander agieren können –

        Dann ist es ja gut. Der Staat, das sind letztendlich die Bürger. Diese Bürger haben Werte und einen Willen und drücken beides in Wahlen aus. Politiker gießen diesen Bürgerwillen im Idealfall in entsprechende Gesetze.

        Selbst SPD-Innenminister Jäger aus NRW fordert aktuell diese Straftäter abzuschieben. Das spricht eher dafür, dass ihm das aktuelle Gesetz nicht ausreicht. Es besteht der dringende Verdacht, dass eine Mehrheit der Bürger dies ähnlich sieht. Es geht also eher Richtung Gesetzesverschärfung.

        dass der Nationalstaat an sich ihr Eigentum wäre, macht es das nicht realer

        Das hat auch niemand behauptet. Es gibt nur klare Ähnlichkeiten zwischen beispielsweise einer Familie und einem Staat. Ähnlichkeiten, die auf den gleichen moralischen Prinzipien beruhen. Es sind Gemeinwesen mit festen Grenzen und Regeln. Gemeinwesen, die Neueintritte von außerhalb natürlich erlauben, die aber diese Neubürger auch wieder aus dem Gemeinwesen ausschließen dürfen, wenn sie die Regeln des Gemeinwesens nicht einhalten.

        Ausgenommen vom familiären oder staatlichen Ausschluss sind regelmäßig die Menschen, die keinen anderen Staat oder keine andere Familie haben.

      4. „Dann ist der deutsche Staat rassistisch und alle anderen Staaten der Welt auch. Denn wohl fast alle Staaten schieben Gäste ab, die es zu extrem treiben. Das ist so selbstverständlich, dass es verwundert, dass man überhaupt darüber diskutieren muss.“
        Nur weil es alle machen, wird es automatisch richtig? Die Logik dahinter erscheint mir nicht schlüssig.

        „So weit wie Sie würden wohl nur wenige gehen. Ihre Meinung ist extremistisch. Sie verkaufen ihre Meinung aber als Normalität und wer etwas anderes sagt, der sei der Rassist und damit der Extremist. Das macht die Sache aber auch nicht wahrer.“
        Hach. Ich habe mich schon gefragt, wann sowas kommt. Ironischerweise ist „Extremist“ hier als Anklage gemeint, wird von mir aber keinesfalls so aufgefasst. Wenn ich als „extremistisch“ gelte, weil ich gleiche Spielregeln für alle möchte – von mir aus, dann soll es so sein, gibt wahrlich Schlimmeres.
        Ich vermute eher, dass du dich hier an dem Begriff des Rassismus so störst. Hätte ich irgendwas in der Art von „sondern schlicht ein Verstoß gegen so grundlegende Prinzipien der Rechtstaatlichkeit, nämlich Menschen vor dem Gesetz gleich zu behandeln“ geschrieben, würden wir diese Diskussion in dieser Form wohl gar nicht führen. Dass das letztlich aufs Selbe hinausläuft, ist wohl unerheblich.

        „Wie gesagt mit Rassismus hat das nichts zu tun. Abschiebung ist eine Form der Strafe, die man auf Einstaatler leider nur schlecht anwenden kann, weil sie nur dies eine Heimat haben.“
        Klar, logisch und das macht es jetzt super toll?

        „Es ist beispielsweise auch keine Diskriminierung von reichen Straftätern, wenn man von diesen Leuten hohe Geldstrafen und/oder hohen Schadensersatz kassiert, während man ähnliche Summen bei mittellosen oder angeblich mittellosen Straftätern niemals eintreiben kann.“
        Streng genommen ist es das durchaus, da sie anhand ihrer persönlichen Lebensumstände beurteilt werden – nur weil man es nicht als Diskriminierung wahrnimmt, bedeutet es nicht, dass es rational betrachtet keine ist. Aber das ist gerade ohnehin nur Haarspalterei und der Kampf um Begrifflichkeiten und Definitionen, führt also zu nichts.

        „So gesehen müsste man alle Strafen abschaffen, weil es immer Leute gibt, die man über Strafen nicht erreichen kann.“
        Unsinn. Du unterstellst mir gerade Dinge, die ich nie geschrieben, nicht einmal impliziert habe. Sowas ist langweilig.

        „Dann ist es ja gut. Der Staat, das sind letztendlich die Bürger. Diese Bürger haben Werte und einen Willen und drücken beides in Wahlen aus. Politiker gießen diesen Bürgerwillen im Idealfall in entsprechende Gesetze.
        Selbst SPD-Innenminister Jäger aus NRW fordert aktuell diese Straftäter abzuschieben. Das spricht eher dafür, dass ihm das aktuelle Gesetz nicht ausreicht. Es besteht der dringende Verdacht, dass eine Mehrheit der Bürger dies ähnlich sieht. Es geht also eher Richtung Gesetzesverschärfung.“
        Yup, alles richtig. Ich muss aber dennoch nicht mit diesen politischen Entscheidungen einverstanden sein. Zumal es einen Wertekanon in der westlichen Welt gibt, der im Idealfall dafür sorgen sollte, staatliche Willkür bzw. Diskriminierung zu vermeiden. Dass es zwischen Theorie und Praxis zuweilen himmelweite Unterschiede gibt – geschenkt. Das macht die Theorie aber nicht obsolet.

        „Gemeinwesen, die Neueintritte von außerhalb natürlich erlauben, die aber diese Neubürger auch wieder aus dem Gemeinwesen ausschließen dürfen, wenn sie die Regeln des Gemeinwesens nicht einhalten.“
        Das Ding ist halt, du argumentierst mit Moral, so als sei diese ein festes Konstrukt – ohne ihrer Flexibilität gedenken. Es gibt genug Beispiele, in denen Familien auch Blutsverwandte verstoßen – so what? Deiner Logik zufolge dürfte das eigentlich gar nicht passieren.
        Das Problem ist halt, dass letztlich nur eine wirklich stringente Logik existiert:
        Jeder wird nach den gleichen rechtsstaatlichen Prinzipien beurteilt. Alles andere ist pure Willkür und allein von äußeren Umständen abhängig. Ich mache es ja niemandem zum Vorwurf, wenn er Abschiebung fordert, aber dann soll er halt auch die intellektuelle Redlichkeit besitzen und sagen, dass das Willkür ist und er natürlich auf die Herkunft schaut. Moral ist in juristischen Debatten meines Erachtens ohnehin völlig überbewertet – es sollte allein um die Opfer, die Tat und die Ursachen gehen, nicht aber um die persönlichen Hintergründe/Motivationen des Täters. Wenn sich jemand asozial verhält, weil sein präfrontaler Cortex geschädigt ist, kann man ihn trotzdem zur Verantwortung ziehen. Ob nun die jeweilige Sozialisation oder eine medizinische Disposition zur jeweiligen Tat geführt hat, ist für die Urteilsfindung nur insofern erheblich, als dass zu ergründen ist, wie sich eine Wiederholung zukünftig vermeiden lässt – aber ebenso wenig, wie jemand was für eine Hirnschädigung kann, wäre es fair, jemandem für beschissene Sozialisation daraus einen Strick zu drehen und ihn zusätzlich noch für etwas zu bestrafen, was er nicht wirklich zu verantworten hat. In beiden Fällen kann man aber im Idealfall dafür sorgen, dass der Täter von der Gesellschaft durch Gefängnis/Psychiatrie isoliert wird – und zwar ganz hervorragend im gleichen Land.
        Was also so schlimm daran sein soll, wenn man Migranten genauso bestraft wie Einheimische, konnte mir bis heute keiner nachvollziehbar erklären. Geht dadurch der Westen vor die Hunde, wenn es plötzlich ein paar Tausend mehr Straftäter in den Gefängnissen gibt? Falls ja, dann ist die Stabilität der westlichen Gesellschaften noch viel weniger wert, als ich ursprünglich dachte.

      5. Haarspalterei. […] Du unterstellst mir gerade Dinge, die ich nie geschrieben, nicht einmal impliziert habe

        Natürlich hast du das impliziert: Menschen mit zwei Heimatländern, darf man nicht über Ausweisungen bestrafen, weil es auch Menschen mit nur einer Heimat gibt. Menschen mit ausreichend finanziellen Mitteln darf man nicht entsprechend über Geld bestrafen, weil es auch Menschen ohne finanzielle Mittel gibt. Da ist der nächste Schritt nur logisch: Menschen, die ihre Freiheit lieben, darf man nicht mit Freiheitsentzug bestrafen, weil es Menschen gibt, die gern ins Gefängnis gehen. Die von dir beklagte „Haarspalterei“ hast du angefangen und jetzt da dir deine Theorie auf die Füße fällt, hast du keine Lust mehr. Das kann ich ja verstehen: Bei deiner instabilen Kartenhaus-Theorie würde mir auch die Lust vergehen.

        Jeder wird nach den gleichen rechtsstaatlichen Prinzipien beurteilt.

        Das wird ja gemacht. Abschiebungen aufgrund von Straftaten gibt es nahezu in allen Ländern. Wenn du behauptest diese Länder seien alle nicht rechtsstaatlich, zeigt das erneut wie grotesk
        falsch deine Argumentation ist.

        Was also so schlimm daran sein soll, wenn man Migranten genauso bestraft wie Einheimische, konnte mir bis heute keiner nachvollziehbar erklären. Geht dadurch der Westen vor die Hunde, wenn es plötzlich ein paar Tausend mehr Straftäter in den Gefängnissen gibt?

        Das erklärt dir keiner, weil du von Theorien ausgehst, die es in der Realität nicht gibt. Natürlich werden Migranten rechtstaatlich bestraft. Und natürlich landen diese Leute bei entsprechenden Strafen im Gefängnis. Das wird doch alles längst gemacht.

        Was bei Migranten hinzukommt, ist die Möglichkeit diese am Ende der Gefängnisstrafe abzuschieben, wenn die Tat wirklich so extrem war, dass eine Abschiebung dem Gesetz nach gerechtfertigt ist.

        Gegen dieses Vorgehen hast du noch kein einziges nachvollziehbares Argument vorgebracht außer Themenfelder wie „Rassismus“ und „Nicht-Rechtsstaatlichkeit“, die nur deine Ahnungslosigkeit belegen, uns in der Sache aber kein bisschen weiterführen, sondern im Gegenteil die Diskussion nur behindern. Du implizierst damit, wer gegen deine Position argumentiert, sei ein Rassist und Rechtsstaatsfeind. Dieses Vorgehen ist heutzutage schwer in Mode, aber sachlich ist es falsch und zudem ist es unfair. Die Diskussion wird gar nicht mehr inhaltlich geführt, sondern man definiert ein Vergehen nach Belieben um und wirft das Vergehen dann seinen politischen Gegner vor. Letztendlich spaltet man so auch die Gesellschaft: Hier „die Guten“ und dort die „Rassisten“ und „Rechtsstaatsfeine“. Das ist kein guter Weg.

        Mir bringt diese Diskussion aktuell keinen Benefit mehr, mangels stichhaltigen Argumenten von deiner Seite aus. Ich beende die Diskussion also an dieser Stelle. Alles Gute und Ciao.

Meinungsfreiheit heißt nicht automatisch Recht zu haben.

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