Ein Rant für Paris

Ich habe keine Lust mehr.
Ich weigere mich derzeit konsequent,  irgendeine Debatte über Terrorismus und Religion zu führen – schlicht deshalb, weil die meisten Leute keine Ahnung haben und ich es leid bin, mich permanent zu wiederholen. Das darf Sam Harris übernehmen.
Und weil mir ohnehin nur immer wieder vorgeworfen wird, dass aus meinen Worten ja nur westliche Arroganz spricht. Leute, lasst es mich so nett wie möglich ausdrücken:
Fickt euch.

Natürlich bin ich arrogant. Weil mich dieser Werterelativismus anpisst.
„Buhu, wir dürfen uns nicht besser fühlen, weil wir Demokratie und Menschenrechte haben!“
DOCH! VERDAMMT! Genau das ist der verfickte Punkt. Wenn jemand der Meinung ist, dass Andersdenkende gefoltert und getötet werden dürfen, weil das der unsichtbare Sky-Daddy so sagt, dann ist das tatsächlich eine Meinung, die ich hart beschissen finde. Ich spreche genau denjenigen das Bleiberecht in demokratischen Ländern ab, die sich nicht an grundlegende rechtliche Standards halten. Wenn es nach mir ginge, könnte man ebenso die ganzen „besorgten Bürger“, Nazis, Antisemiten und Salonfaschisten rauswerfen – sollen sie sich doch in der Wüste gegenseitig die Köpfe einschlagen.
Wer keinen Bock auf Demokratie, Menschenrechte und Gleichberechtigung hat, der kann sich meinetwegen verpissen.
Ich bin es einfach leid, die immer gleichen Diskussionen zu führen. Immer wieder darauf hinzuweisen, dass nichts, absolut gar nichts Terror und Diktatur rechtfertigt.
Ich bin es leid, mir immer wieder anhören zu müssen, wie böse und schlimm der Westen doch sei, aber kein Wort darüber zu verlieren, wie eliminatorisch die religiöse Ideologie vieler (islamischer) Länder ist.
Ich bin es leid, Verharmlosungen gegenüber dem Iran zu hören und dass der Iran schon nicht Israel vernichten wird, wenn er es könnte – egal, was die hochrangigsten Regierungsvertreter des Landes so auf Twitter sagen.
Ich bin es leid, dass Menschen, die von Geburt an das unglaubliche Privileg genießen, in so einer wunderbaren freiheitlichen Gesellschaft aufwachsen zu können, immer wieder alles dafür tun, die grundlegenden Prinzipien ebendieser infrage zu stellen und zu diskreditieren.
Ich verachte jegliche Form von Totalitarismus, sei er religiös oder sonstwie motiviert, zutiefst. Ich finde Nationalismus und Patriotismus hart bescheuert und verabscheue es, wenn dadurch Gewalt entsteht. Ich will einfach nur, dass jeder, der hier oder sonst wo lebt, grundlegende Standards des gegenseitigen Respekts einhält und diese lassen sich letztlich auf eine sehr simple Formel bringen:
„Geh mir nicht auf die Eier und wir werden die besten Freunde.“

Anders formuliert:
Verlange nicht von anderen Menschen so zu leben, wie du lebst – dann könnt ihr wunderbar zusammenleben, in all eurer Vielfalt und Individualität. Ist es wirklich so verdammt schwer zu verstehen, dass mich Menschen, die genau das nicht tun, extrem anpissen?

Champagne

Und was Paris betrifft…
Hört endlich mit dieser ganzen #prayforparis-Gebetsscheiße auf und werft eure und jede andere Religion auf den Müllhaufen der Geschichte – denn nur da gehört sie hin. Wer auf religiösen Terror mit noch mehr Religion antwortet, ist an geistiger Umnachtung kaum mehr zu übertreffen.
Deshalb geh ich jetzt auch Champagner trinken.
Santé!