Wer Flüchtling ist, bestimmen immer noch wir!

Guter Flüchtling – schlechter Flüchtling?
Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, ob ich zur aktuellen Flüchtlingsdebatte überhaupt etwas schreiben sollte. Da dies aber ein Thema ist, bei dem die Emotionen verdammt hochkochen und ich mit Vorliebe in Wespennester steche, dachte ich mir, dass es nicht schaden kann, auch meine geistigen Ergüsse diesbezüglich durch den Äther zu senden.
Als Liberaler steht man ja häufig immer so ein bisschen zwischen den Stühlen – die Rechten und Konservativen mögen einen nicht, weil man auf „Traditionen und Werte“ pfeift und die Linken sind stinkig, weil man „mehr Staat“ irgendwie uncool findet. Als Liberaler in einer Stadt wie Dresden steht man ohnehin auf verlorenem Posten, aber das ist noch eine ganz andere Geschichte.
Das Wunderbare an meiner Position ist aber: Es kann nicht mehr schlimmer werden. Der Liberale ist ohnehin immer der Arsch, also hat er das Privileg, seinen Verstand zu nutzen, während andere lieber Emotionen den Vorzug geben.
Wenn man sich die ganze (Internet)Debatte so anschaut, dann scheint es häufig nur die beiden Extreme von „Alle Grenzen dicht“ bis „Grenzen ganz abschaffen“ zu geben – lustigerweise merkt niemand von den ganzen Leuten, dass sie damit völlig an der Thematik vorbeireden. Häufig wird dann gerne die harsche Asylpolitik Australiens als (positives) Beispiel angeführt, aber auch das hat mit dem Thema nicht wirklich was zu tun.
Im Grunde ist es sehr simpel:
Solange die Lebensumstände in Land A besser sind als in Land B, wird es immer Menschen geben, die sich bemühen, von B nach A zu gelangen. Da spielt es auch erst einmal keine Rolle, ob die Gründe wirtschaftlicher oder menschenrechtlicher Natur sind – die Bewegung ist vorhanden. Man kann womöglich wirtschaftlichen Migranten das Leben schwer machen, indem man sie extrem hohen Widerständen im Ankunftsland aussetzt, sodass sich die Übersiedlung für sie langfristig nicht lohnt (wie man das bewertet, ist eine andere Frage), aber es ist nahezu unmöglich, die Anreize so stark zu senken, dass Menschen, die nichts weiter als Überleben wollen, keine Lust mehr haben, in ein besseres Land zu flüchten. Wer nichts zu verlieren hat, der nimmt jeden Strohhalm, den er greifen kann. Wenn man nun auch diese Menschen konsequent zurückschickt, dann löst man im Grunde gar nicht – man verdrängt nur. Und verdrängte Probleme kommen in vielen Fällen irgendwann wieder zurück. Tja, dumm gelaufen.
Also einfach Grenzen auf und alle reinlassen?
Simpel gesagt: Ja.

Besorgte Bürger single bigABER DAS KOSTET ALLES GELD UND DIE SIND FAUL UND ARBEITEN NICHT UND
SIND KRIMINELL UND ÜBERHAUPT!!!

Hey, chill mal. Ich habe da einen ganz simplen Vorschlag:
Man macht einen (sehr) großen Cut in puncto Wohlfahrtsstaat, erlaubt Asylbewerbern zu arbeiten, streicht den Mindestlohn und erlaubt Unternehmen weitestgehende Vertragsfreiheit. ABER, und das ist ganz wichtig, nicht nur für Flüchtlinge sondern für alle hier lebenden Menschen. Ja, auch Hartz4-Ronny muss dann mal seinen Arsch bewegen und schauen, wo er bleibt. Sowas Dummes aber auch. Auf Facebook hetzen, kannst du nach der Arbeit immer noch.
Wem es nur ums nackte Überleben geht, der wird dankbar sein, wenn er hier aufgenommen wird und die Möglichkeit bekommt, zu arbeiten und sich zu integrieren. Wer darauf keine Lust hat, ist selbst schuld, denn aufgrund der viel geringeren staatlichen Zuwendung, ist das Leben dann auch nicht mehr sooo cool.
Klar wird die Flüchtlingsversorgung immer noch Geld kosten – aber da Steuern hier nicht zweckgebunden sind, wird das Geld, das ohne Flüchtlinge da wäre, nicht automatisch zur Verbesserung der Rentensituation o.Ä. genutzt. Falls das irgendjemand gedacht hat: Wie doof kann man eigentlich sein?

Stichwort: Wirtschaftsflüchtlinge
Ich habe der ganzen Thematik bereits an anderer Stelle schon einen ganzen Artikel gewidmet, daher will ich hier nicht noch einmal so ausführlich eingehen. Letztlich läuft es schlicht darauf hinaus, dass für jeden hier lebenden Menschen – ob Biodeutscher oder nicht – dieselben Spielregeln gelten müssen. Keiner sollte besonders privilegiert werden, nur weil er das Glück hatte, in einem reichen Land geboren zu werden. Es ist völlig irrelevant, wie viele Menschen hierherkommen und aus welchen Gründen – viel entscheidender ist, dass alle Menschen zumindest die Möglichkeit erhalten, ihre Situation zu verbessern (und das geschieht nun einmal v.a. durch einen möglichst freien Wettbewerb der Unternehmen untereinander und um (billige) Arbeitskräfte). Wer das nicht will, soll ruhig versuchen, sich mit minimaler staatlicher Unterstützung durchzuschlagen – aber angenehm sollte es definitiv nicht werden. Weder für den Flüchtling noch den Biodeutschen. Es gibt kein automatisches Recht auf Arbeit und ein gutes Leben, nur weil man hier geboren wurde – das ist grober Unfug, wenn man das glaubt.

Stichwort: Islamismus
Das ist die Stelle, an der mir womöglich irgendjemand wieder Islamophobie oder Ähnliches an den Kopf werfen wird – was mir als Atheisten nur ein müdes Lächeln abringt. Wenn, dann habe ich eine Islamantipathie, aber keine Phobie. Das nur mal zur Klarstellung.
Bei solch riesigen Flüchtlingsströmen aus Konfliktländern ist es natürlich nicht unrealistisch anzunehmen, dass auch einige Flüchtlinge Anhänger radikaler Ideologien (eben meist Islamismus) sind. Das ist uncool, aber nicht zu ändern. Deshalb pauschal alle Flüchtlinge abweisen? Kommt darauf an, wie man seine Gewichtung setzt. Ich habe prinzipiell ein Problem mit allen Menschen, die sich wie Vollidioten verhalten – sei es der Nazi aus Heidenau oder der Islamist aus Syrien – ich mag weder noch. Mein Vorschlag:
Drückt den Nazis und Islamisten Stöcke in die Hand, ab in die Wüste und dann können sie sich gegenseitig an die Gurgel gehen. Ja, ich weiß, unrealistisch, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen…
Im Grunde ist es aber auch hier sehr simpel:
Jeder, der ein Problem mit den westlichen Freiheitswerten hat, darf gerne dahingehen, wo der Pfeffer wächst – und da ist es mir völlig gleich, woher derjenige ursprünglich kommt. Ich will keine Wichser vor meiner Haustür haben, ganz einfach.

Und wenn, wenn die ganzen Vollidioten sich dann gegenseitig die Köpfe einhauen, dann kann ich mit meinen deutschen, türkischen, syrischen, englischen, amerikanischen, israelischen und vielen anderen Freunden wieder in Ruhe Whisky trinken gehen, ohne dass irgendein Vollidiot meint, dämliche Parolen brüllen zu müssen.
Hach. Wo wäre ich nur ohne meine Träume?

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Autor: Egoteaist

Existenz positiv bestätigt. Glaube ich. Alles andere ergibt sich.

3 Kommentare zu „Wer Flüchtling ist, bestimmen immer noch wir!“

  1. Hallo!
    Ein Flüchtling ist eine Person, die vor imminenter Lebensgefahr in die nächstgelegene Sicherheit flieht. Solche Menschen gibt es in Deutschland z.Zt. nicht. Punkt. DIe Debatte dreht sich um Personen, die durch Wüsten, über Meere, danach wochenlang mit dem Navi durch 6 großflächige Länder ziehen; deren gesamtes Dorf Tausende Dollars für die Schlepper sammelt, um sich als ‘Anteilseigner’ eine Zukunft in einer scheißegalen Kultur zu erkaufen. Argumentiert man mit wirtschaftlichen Lebensbedingungen, dann hätten wohl 2/3 der Menschheit
    „Anspruch“ auf Asyl. Dies kann aber nicht der Sinn sein, von unterschiedlichen Kulturen und Nationen.

    Macht es irgend einen Sinn in ein Land zu “fliehen”, das sich mit meiner Lebensweise, Kultur, Religion diametral im Gegensatz befindet und meine Familie und Kinder ohne Sprachkenntnisse in eine Gesellschaft von Fremden Menschen werfe? Diese beschwerlichen Reisen machen nur Sinn, wenn ich eine genaue Vorstellung, ja die Versicherung erhalten habe, dass an meinem Ziel für
    alles und mehr gesorgt wird.
    Und hier kommt der Gesinnungsfaschismus ins Spiel: Irrationale
    und selbstgerechte ‚Apostel der Menschlichkeit‘ verhindern eine sachliche Diskussion über Einwanderung, indem sie die Komplexität und Rechtlichkeit dieses Problems kausal mit dem Rassismus-Vorwurf verbinden.

    1. „Ein Flüchtling ist eine Person, die vor imminenter Lebensgefahr in die nächstgelegene Sicherheit flieht.“
      Unsinn. Das magst du so sehen, aber wenn ich von Flüchtlingen spreche, dann orientiere ich mich an der allgemein anerkannten Definition:

      „Person, die aus politischen, religiösen, wirtschaftlichen oder ethnischen Gründen ihre Heimat eilig verlassen hat oder verlassen musste und dabei ihren Besitz zurückgelassen hat“

      Wenn jeder nur mit den Definitionen arbeitet, die er selbst für toll erachtet, kann man die Debatte auch ganz sein lassen, da es keine gemeinsame Grundlage mehr gibt.

      „Solche Menschen gibt es in Deutschland z.Zt. nicht. Punkt.“
      Und dieses Wissen nimmst du genau…woher?

      „dann hätten wohl 2/3 der Menschheit “Anspruch” auf Asyl. “
      So what?

      „Dies kann aber nicht der Sinn sein, von unterschiedlichen Kulturen und Nationen.“
      Sondern?

      „Diese beschwerlichen Reisen machen nur Sinn, wenn ich eine genaue Vorstellung, ja die Versicherung erhalten habe, dass an meinem Ziel für alles und mehr gesorgt wird.“
      Na ja, wie ich schon geschrieben habe – wenn man nichts hat, ist etwas mehr immer besser.

      “ Irrationale und selbstgerechte ‘Apostel der Menschlichkeit’ verhindern eine sachliche Diskussion über Einwanderung, indem sie die Komplexität und Rechtlichkeit dieses Problems kausal mit dem Rassismus-Vorwurf verbinden.“
      Aha. Das habe ich zwar nirgendwo thematisiert, aber hey, ist immer cool, wenn man einfach mal so völlig frei Dinge in den Raum werfen kann 🙂
      Anyway. Es ist mir relativ egal, ob man das nun als Rassismus oder sonstwas tituliert – wenn man aber Menschen, die das Pech hatten, im falschen Land geboren worden zu sein, nicht dieselben Rechte wie seinen Mitbürgern zugestehen will, dann ist man halt einfach ein Arschloch 🙂
      Entweder man findet grundlegende universelle Rechte cool – dann gelten sie aber halt auch für alle oder nicht. Aber dieses ewige Geschwurbel, dass das alles so hochkomplex und blablub sei – nö. Ist es nicht. Die Sachlage ist ausgesprochen simpel. Und selbst der Umgang muss nicht sonderlich herausfordernd sein – aber dazu müsste dann halt jeder mal kurz runterkommen und seine Emotionen ignorieren – egal, wie diese aussehen.

Meinungsfreiheit heißt nicht automatisch Recht zu haben.

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