Signale vom Elfenbeinturm

„Denkbar wäre drittens das tentative Bemühen, in einem reziproken Lern- und Austauschprozess wahrzunehmen…“

Oder auch:
„Es wird versucht, miteinander zu reden.“

Ernsthaft:
Ist es denn so schwer, bestimmte Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch jeder Depp versteht? Es wird immer sich immer lauthals darüber beschwert, dass es der „bildungsfernen Unterschicht“ so schwer gemacht wird, dieser Bildungsferne zu entkommen und sich weiterzuentwickeln. Könnte es vielleicht damit zu tun haben, dass viele Wissenschaftler entweder nicht fähig oder nicht willens sind, ihre Forschungsergebnisse so zu präsentieren, dass sie auch ein unbedarfter Laie versteht und nicht nur solche Bekloppten wie ich, die ohnehin nichts Besseres zu tun haben, als Fachwörterlexikon zu spielen?
Schopenhauer traf, wie so häufig, den Nagel auf den Kopf, als er dazu anhielt, „man gebrauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge“ – womöglich gibt es viele Menschen, die gern mehr über Themen erfahren würden, die sie interessieren – doch werden sie davon abgeschreckt, weil sie sofort mit einem gigantischen Hammer aus Fachwörtern erschlagen werden und verständlicherweise nicht unbedingt willens sind, erst jedes zweite Wort nachschlagen zu müssen, um sich so puzzleartig den eigentlichen Sinn des Geschriebenen erschließen zu können. Wissenschaftliche Publikationen sollten auch für fachfremde Muttersprachler noch verständlich bleiben – was nützt eine Wissenschaft sonst, die keine Sau mehr versteht und die letztlich nur in ihrem kleinen Elfenbeinturm auf den Pöbel herabschaut?
Es gibt doch durchaus so einige überaus positive Beispiele, wie gute Wissenschaftskommunikation aussehen kann – man schaue sich nur mal bei scienceblogs.de um. Warum nehmen sich daran nicht mehr Wissenschaftler ein Beispiel? Wer es nicht gebacken bekommt, schwierige Themen so aufzubereiten, dass es auch Laien verstehen, hat entweder sein eigenes Fachgebiet nicht verstanden oder gehörige Selbstwertprobleme, wenn er sich zwanghaft von anderen abgrenzen muss, um das eigene Ego zu pushen, indem er ausschließlich auf Fachwörter zurückgreift und damit eine Distanz erschafft, die eher schädlich als nützlich ist.

Man muss sich doch nicht wundern, dass Menschen immer häufiger Zuflucht in pseudowissenschaftlichen Heilsversprechungen suchen, wenn die seriöse Wissenschaft einen guten Teil dazu beiträgt, diese Menschen zu verschrecken.
Mal ganz davon abgesehen, dass diese bemüht kompliziert gehaltenen Formulierungen meist auch ziemliches Blendwerk bzw. Seitenfüller darstellen. Sicherlich gibt es Situationen, in denen man um den Gebrauch von Fachbegriffen nicht umhinkommt – aber diese kann man dennoch auf ein nötiges Minimum reduzieren und nicht noch zusätzlich welche erschaffen.
Ein Hoch auf Menschen wie Richard Dawkins oder Lawrence Krauss, denen genau dieses Kunststück hervorragend gelingt.

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Autor: Egoteaist

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