Faschismus-Relativierung à la taz

Die mittlerweile gelöschte Facebookseite der ägyptischen Muslimbruderschaft veröffentliche vor einigen Tagen ein Bild des bekannten, islamkritischen Publizisten Hamed Abdel-Samad mit dem Aufruf, diesen wegen der Beleidigung des Propheten Mohammed zu ermorden. Einzig die Giordano-Bruno-Stiftung sowie Spiegel Online reagierten darauf vergleichsweise schnell, während Blogger wie Kacem Eel Ghazzali und v.a. atheistische Facebookseiten, nahezu unmittelbar nach Bekanntwerden, diesen Aufruf verbreiteten.

Hamed Abdel-Samad

Es mutet also schon ein wenig traurig an, dass es tatsächlich so lange gedauert hat, bis die mediale Resonanz für den Mordaufruf an Hamed Abdel-Samad ins Rollen kam – geradezu ekelhaft relativierend gelingt es aber der taz, diese durchaus sehr reale Bedrohung für einen islamkritischen Publizisten in Gestalt eines Daniel Bax zu verspotten. Uwe Lehnert, seines Zeichens Mitglied im Humanistischen Verband Deutschlands sowie Förderer der Giordano-Bruno-Stiftung, schrieb daher bereits sehr passend als Replik:
„Die taz war mal eine kritisch-aufmerksame Zeitung, die stets für die Grund- und Menschenrechte ein­trat und deren Gefährdung stets mit wachem Blick regis­trierte. Sie ver­tei­digte Menschen, die wegen ihres Eintretens für eben jene Rechte in Gefahr gera­ten waren – sei es durch Fanatiker oder staat­li­che Institutionen. Einige der Schreiber der taz haben aber offen­bar diese jour­na­lis­ti­sche Pflicht ver­ges­sen und die Maßstäbe für ihre Arbeit ver­lo­ren, sie bewe­gen sich auf dem Niveau jener Blätter von ganz links und ganz rechts, die – wenn schon nicht zu ver­hin­dern – ein­fach igno­riert wer­den soll­ten. Strebt die taz die­sen Zustand an? Zurechtrückend und inso­fern beru­hi­gend sind die Kommentare. Deren Schreiber haben sich ihren kri­ti­schen Blick für poli­ti­sche und reli­giöse Wahnsysteme und deren Apologeten bewahrt.“

Man kennt es ja von welt.de-Kommentatoren, die in der Regel selten das zur Schau stellen, was man einen humanistisch-vernünftigen Verstand nennen kann – glücklicherweise scheinen die taz-Kommentare also mehr Weitsicht und Empathie an den Tag zu legen, als es dem Artikelschreiber selbst an seinen besten Tagen möglich wäre – denn diesem scheint als Reaktion auf einen öffentlichen Mordaufruf nichts Besseres einzufallen, als dem Betroffenen mit Häme und Spott zu begegnen, statt sich, eines aufgeklärten, liberalen Journalisten würdig, klar dagegen zu positionieren und den medialen Druck auf die entsprechenden diplomatischen Dienste noch zu verstärken. Wenn sowas heutzutage noch als „links“ gilt, dann bin ich heilfroh, dieser Geisteshaltung schon lange den Rücken gekehrt zu haben.
Herr Bax, mit Verlaub, Sie sind ein Arschloch.

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Autor: Egoteaist

Existenz positiv bestätigt. Glaube ich. Alles andere ergibt sich.

1 Kommentar zu „Faschismus-Relativierung à la taz“

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